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  • Werbung: Rausch. Gold. Bengel.

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    Wie schon gelegentlich angeklungen, bin ich ein Freund des Gesanges. Mit dieser Neigung bin ich nicht alleine, vielmehr haben sich gleichermaßen betroffene Menschen in Selbsthilfegruppen, so genannten Chören, zusammen gefunden, wo sie gemeinsam den oralen Akkorden huldigen. Ein solcher Chor sind die Kölner SPITZbuben, welchen anzugehören ich mittlerweile im zehnten Jahr das große Vergnügen habe. Doch singen wir nicht nur zu unserem eigenen Pläsier hinter verschlossenen Türen, ab und an treibt uns unser Laster auf die Bühnen dieser Welt, auf dass ein jeder sich daran erfreue. Das nächste Mal am Samstag, 18. April. Und damit wir nicht so verloren herumstehen, haben wir uns Verstärkung geholt: die wunderbaren "Mannenkoorts" aus Den Haag.

    Hier der offizielle Pressetext:

    Hört! Hört!

    Die Kölner Spitzbuben machen zum ersten Mal gemeinsame Sache mit dem herrlichen Doppel-Quartett "Mannenkoorts" aus dem niederländischen Den Haag - und leisten auf ganz persönliche Art einen musikalischen Beitrag zur Völker-Verständigung. Natürlich unter der schwungvollen und stets souveränen Leitung der Chor-Chefin Susanne Bellinghausen.

    Soviel steht fest: Es gibt ein buntes, quicklebendiges Programm auf die Öhrchen! Samba-Rhythmus und Eurythmics. Wollust und Wolle Petry. Rosenberg, Rammstein - und jede Menge kölsche Tööön!

    Die Begegnung der Nationen findet bezeichnenderweise statt im "Belgischen Haus", nicht weit von Neumarkt und Dom. Wann? Samstag, 18.04.2015 - und zwar nur an diesem einzigen Abend! Die Bar öffnet um 19:00 Uhr, der erste Ton erklingt um 20:00 Uhr. Und nach dem Konzert ist noch Party im Foyer...

    Wir freuen uns auf Sie!

    ***

    Hoort! Hoort!

    De Spitzbuben uit Keulen hebben voor het eerst hun krachten gebundeld met het heerlijke dubbel-kwartet "Mannenkoorts" uit Den Haag – en dragen zo op een heel speciale, muzikale manier bij aan de verstandhouding tussen nationaliteiten. Uiteraard onder de bezielende en steeds soevereine leiding van Dirigente Susanne Bellinghausen.

    Een ding is zeker: Er komt een bont en sprankelend programma op u af! Samba rithmes en Eurythmics. Wellustigheid en Wolle Petry. Rosenberg, Rammstein en een hoop "kölsche Tööön"!

    De ontmoeting vindt, hoe kan het anders, plaats in het Belgische Huis, niet ver van de "Neumarkt" en de Dom. Wanneer? Zaterdag 18 april 2015 – en dan ook echt alleen die avond! De bar opent om 19.00 uur en de eerste tonen zullen om 20.00 uur weerklinken. Na het concert is er nog feest in het foyer...

    Wij verheugen ons op u!

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    Wann: Samstag, 18. April 2015, ab 19 Uhr
    Wo:    Belgisches Haus, Köln, Cäcilienstraße 47 (Nähe Neumarkt)
    Was:   Lassen Sie sich überraschen. Wir arbeiten hart daran, dass es schön wird.

  • Bekenntnisse eines ostwestfälischen Nichtkarnevalisten

    Auch wenn es mir schwerfällt, es zuzugeben: so ein ganz kleines bisschen hat es mich dieses Mal erwischt. Dabei war der Plan eigentlich klar, so wie jedes Jahr: Weiberfastnacht in der Firma, bis es Zeit wird zu gehen, das ganze minimal kostümiert: Weste, Hosenträger, alte Krawatte, Mütze, das muss reichen; keine Schminke, Perücke oder gefärbte Haare, keine Pappnase. Freitag den Kater auskurieren, das Wochenende möglichst karnevalsfrei, und Rosenmontag, in unserem Unternehmen schon lange kein arbeitsfreier Tag mehr, ins Büro, die Ruhe genießen (weil ja alle anderen bei irgendwelchen Zügen sind) und nicht zu spät Feierabend machen, was man montags ohnehin nicht tun sollte.

    Der Donnerstag verlief dann auch wie erwartet. Die meisten Mitfahrer morgens in der Bahn waren mehr oder weniger kostümiert, schauten aber ansonsten genauso mürrisch wie jeden Morgen.

    Nach geschäftiger Tätigkeit - Besprechungen im Kostüm fühlen sich albern an - ging es gegen elf rauf zur ersten Flurfete mit Schnitzel, Frikadellen, Wurst, Käse, Berliner, Sekt, Bier und der übliche Musik.

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    Die Stimmung war steigerungsfähig. Vorsichtig probierte ich das erste Bier, und um sicher zu gehen gleich danach das zweite. Meine Krawatte war unversehrt. Gegen zwölf hellte sich die Stimmung auf, endlich erbarmte sich eine Kollegin meiner Krawatte und vollzog das Beschneidungsritual mit einem fetten Schmatzer auf meine linke Wange.

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    Gegen dreizehn Uhr wechselten wir den Ort, ein paar Etagen tiefer feierte der IT-Geschäftsbereich bei dröhnender Musik, die mittlerweile das ganze Gebäude ausfüllte. Der Herr Geschäftsbereichsleiter persönlich lief mit einem Tablett herum und versorgte alle Mitarbeiter kontinuierlich mit frischem Bier, sehr aufmerksam. Ich überdenke meine These, nach der sich die Sozialkompetenz einer Führungskraft umgekehrt proportional verhält zu ihrer Hierarchiestufe. Die Stimmung dort war ausgezeichnet. Praktischerweise befindet sich auf derselben Etage der Raucherbereich.

    Eine Stunde später gings hinunter ins Untergeschoss zur großen, offiziellen Party für alle. Im Partygetümmel traf ich bald auf liebe Kollegen, die Bierversorgung riss nicht ab. Aber auch auf viele reizende Gesichter, die ich teilweise noch niemals vorher gesehen hatte, leider alle nur zur Ansicht, keinerlei Flirtfaktor oder gar Aussicht auf… Sie wissen schon. Ist ja auch nicht ganz undelikat so unter Kollegen. Außerdem bin ich glücklich verh… ach Scheiße, es ist Karneval!

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    Gegen 15 Uhr erreichte mich die Nachricht vom Liebsten, er fahre nach Bad Godesberg und feiere dort mit Freund C. bei der Karnevalsgesellschaft „Die Fidelen Burggrafen“, wo C. aktives Mitglied ist. Viel Spaß, schrieb ich zurück und füllte mein Glas an einem scheinbar herrenlosen Fässchen.

    Kurz nach 18 Uhr reifte in mir die Erkenntnis, genug herumgelaufen zu sein, gequatscht, geraucht, gelacht, gesungen, Bier getrunken und vergeblich taxiert zu haben. Der Partysaal war voll, ich auch. Bevor ich den Überblick völlig verliere oder Dinge zu Führungskräften sage, die ich später bereuen könnte, beschloss ich, den Rückzug anzutreten. Verzehr laut meiner Verzehrkarte: vier Euro zwanzig, das sind zwei Bier. Dann kann es so schlimm ja nicht gewesen sein und meine Orientierungslosigkeit musste eine andere Ursache haben - egal.

    Kurz nach 19 Uhr lag in meinem Bett und schlief bald ein. Gegen 5 Uhr trieben mich Durst und eine gefüllte Blase aus dem Bett. Auf dem Telefon eine Nachricht des Liebsten: Kein Taxi zu bekommen, Übernachtung in Bad Godesberg. Wir sehen uns wohl morgen. „Wohl“ - na das hoffe ich doch sehr. Um halb acht morgens wurde die Wohnungstür aufgeschlossen, der Liebste kehrte heim, seine Stimme ist blieb wohl in Godesberg oder ging unterwegs verloren. Muss gut gewesen sein.

    Freitag und Samstag verliefen ohne erkennbare karnevalistischen Aktivitäten, wobei der befürchtete Kater am Freitag, für den ich mir extra einen Tag Urlaub genommen hatte, wohl besseres zu tun hatte als mich zu kratzen, auch die an solchen Tagen übliche postethanolische Temporärdepression blieb aus, vielleicht wegen des fast frühlingshaften Wetters.

    Dann Sonntag.

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    Auf Anregung unseres schon erwähnten Freundes C. fuhren wir mittags nach Bad Godesberg zum Zoch. Nun sind Karnevalszüge ja so gar nichts für mich, üblicherweise friere ich nach dem zweiten Wagen und langweile mich spätestens nach dem fünften. Zum Frieren bestand angesichts der angenehmen Außentemperaturen kein Grund, und langweilig wurde es auch nicht. Spätestens als die grünen, Verzeihung: fidelen Burggrafen mit diversen Wagen und Fußgruppen durchzogen, wurde es gemütlich. Schon von weitem jubelten die Damen vom Wagen herunter dem Liebsten zu (hat wohl Donnerstag außer der Stimme auch Eindruck hinterlassen), aber auch meiner ihnen bis dahin unbekannten Person schenkten sie eine gewisse Aufmerksamkeit.

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    Nach dem Zoch waren wir zur Party der Burggrafen in der Godesberger Stadthalle eingeladen. Dort angekommen, passierte etwa eine Stunde lang nicht viel, also erstmal Zeit für ein bis zwei Kölsch. Dann ging es los: Die Burggrafen zogen grüngewandet ein, füllten den Saal mit Trommeln, Pfeifen, einem merkwürdigen Balztanz, den sie Stippeföttche nennen, ja und viel guter Stimmung.

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    Innerhalb kurzer Zeit machte ich Bekanntschaft mit zahlreichen wirklich netten Frauen und Männern, ich durfte Hände schütteln, bützen und Bier trinken. Selbst die Ehre der Bekanntschaft mit dem Herrn Präsidenten wurde mir zuteil. Gegen 22 Uhr nahmen wir ein Taxi nach Hause, mein Alkoholpegel befand sich dank der Umsicht, die ich seit Mittag an den Tag gelegt hatte, noch im unbedenklichen Bereich, zumal ich den Montag ja in der behaglichen Ruhe meines Büros zu verbringen beabsichtigte.

    Dies gelang auch einigermaßen problemlos, meine Müdigkeit am nächsten Morgen bewegte sich nur knapp oberhalb des üblichen Montagsniveaus. Nach Feierabend suchte ich kurz die Breite Straße auf, wo sowohl der Bonner Zoch als auch der Liebste und Freund C. in den letzten Zügen lagen. Ein schnelles Bier in der Kälte (da war sie wieder), das war mein Karneval 2015.

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    Mein Fazit: Es war schön. Gut, meine westfälische Distanziertheit gegenüber dem rheinisch verordneten Frohsinn werde ich wohl so schnell nicht überwinden, auch bis zu meinem ersten Besuch einer Karnevalssitzung wird wohl noch viel Wasser den Vater Rhein hinab- und Kölsch die Kehlen hinunterfließen, aber bekanntlich soll man niemals nie sagen.

    Mein besonderer Dank gilt jedoch den Fidelen Burggrafen: Martina, Marion, Tamara, Max, Volker, Madelaine, Carsten, Manuel und allen anderen, deren Name mir gerade nicht mehr gegenwärtig ist, nehmt es mir bitte nicht übel, beim nächsten Mal merke ich sie mir, versprochen! Und Freund C., der schuld daran ist, dass ich euch kennenlernen durfte. Oder um es mit euren Worten auszudrücken:

    Häälisch, häälisch, häälisch,
    un en janz janz hätzlich

    DANKESCHÖN!!!

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  • Bonner gegen Geräusche in der Stadt (BOGEGIS)

    Und wieder hat das Bonner Dezibel-Denunziantentum zugeschlagen. Dieses Mal trifft es die Reggae-Party der Kulturinitiative Rhizom, die am Rosenmontag nach dem Zoch von 15 bis 20 Uhr auf dem Vorplatz des Frankenbades stattfinden sollte, also an einem Tag, der nicht gerade zu den stillen Feiertagen gerechnet werden kann; auch erscheint eine Störung der Nachtruhe aufgrund der moderaten Zeitlage eher unwahrscheinlich. Eine Anwohnerin im Bereich Adolf-/Vorgebirgsstraße hat der Stadt Bonn über ihren Anwalt eine Klage angedroht, falls die Party, die es bereits seit 2008 gibt, genehmigt werden sollte. Von einer Klageandrohung gegen den Rosenmontagszug, der unter ihrem Fenster entlang läuft, sieht sie in diesem Jahr offenbar noch einmal ab.

    Nachdem ihre Rechtsgelehrten die Beschwerde geprüft hatten, knickte die Stadt - wie gewohnt - ein und ließ über ihren Rock- und Pop-Beauftragten verkünden, dass sie die Party in diesem Jahr wegen überhöhter Lärmimmission nicht genehmigen könne. Das wirft Fragen auf. Erstens: Kann man eine Stadt wegen wiederholter Feigheit vor einer Klage verklagen? Zweitens: Was genau macht eigentlich ein Rock- und Pop-Beauftragter?

    Doch geben sich die Veranstalter nicht kampflos geschlagen. Statt zur Party rufen sie nun zu einer Demonstration auf, ebenfalls von 15 bis 20 Uhr vor dem Frankenbad. Diese wurde auch genehmigt, da das Demonstrationsrecht ein höheres Gewicht hat. Nur muss es neben Musik auch Wortbeiträge geben und es darf kein Alkohol ausgeschenkt werde.

    Als bekennender Karnevalsmuffel wollte ich eigentlich auch in diesem Jahr den Rosenmontag und seinen Zug im Rahmen der mir als Altstadtbewohner gegebenen Möglichkeiten ignorieren, auch würde ich mich nicht als ausgesprochenen Reggae-Fan bezeichnen, doch zur Demonstration werde ich wohl gehen. Bier gibts im Kiosk um die Ecke. Vielleicht hat ja jemand Lust, mitzukommen.

    Übrigens: Dass man als Rock- und Pop-Beauftragter durchaus eine steile Karriere vor sich haben kann, belegt der Werdegang von Sigmar Gabriel.

    Auch veröffentlicht bei Bundesstadt.com

  • Vorschlag zur Weltverbesserung: Winterschlaf für alle

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    Die Arbeitswoche um Silvester war schön: Nur wenige Kollegen in den Büros, das Telefon schwieg und der Maileingang mutete an wie eine mehrtägige Netzstörung. Und dank eines noch ausreichend gefüllten Gleitzeitkontos war mittags Feierabend. Ein Zustand, an den ich mich gewöhnen könnte. Um so schwerer fiel es, ab der folgenden Woche, da sie alle wieder da waren, zum gewohnten Acht- (oder mehr) -stundentag zurückzukehren mit dem gewohnten Wahnsinn aus Besprechungen, Mailflut, (Telefon-)Gesprächen und der immer wiederkehrenden Frage am Ende eines jeden Arbeitstages: Was habe ich heute eigentlich gemacht?

    Das Schlimmste aber in diesen Wochen: Ich verlasse kälteschaudernd das Haus bei Dunkelheit, tagsüber schaue ich durch das Bürofenster in graue Wintertrübe, es will nicht richtig hell werden, und zum Feierabend ist es wieder dunkel. Dicke Jacken, Schals und Hosen umhüllen Brust und Bein. Und das noch wochenlang.

    So komme ich nochmals auf meine Vision des menschlichen Winterschlafs zurück: Ende Oktober treffen wir uns zu einem riesigen Gelage, Fünfgänge-Menü mit passenden Weinen. Wenn wir dann richtig vollgefressen sind, legen wir uns ins Bett, wo uns Dauenen sanft umschmiegen; zuvor ziehen wir die Stecker von Telefon und WLAN-Router, regeln die Heizung herunter und stellen den Wecker auf Anfang April oder, wer mag, auf Weihnachten zu einer Zwischenmahlzeit, nach der man sich wieder hinlegt. Wenn uns dann im April der Wecker zart aus dem Schlaf holt, scheint die Sonne auf das Kissen und des Frühlings milder Hauch lockt uns aus Bett und - nach ausgiebigem Frühjahrsschiss - Haus.

    Das wäre schön.

  • BEGEDER ruft auf zum "Rosenmontagspaziergang"

    Kaum wurde der rheinische Karneval zum Weltkulturerbe erklärt, schon macht ausgerechnet die Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin deutlich, dass es sich hierbei um eine ernste Angelegenheit handelt. So teilte sie ihren Bonner Mitarbeitern mit, der Rosenmontag sei ab sofort kein per se arbeitsfreier Tag mehr. Wie nicht anders zu erwarten, folgte dieser Weisung eine Empörungswelle der Betroffenen, auch die anderen Bonner Bundesbehörden schauen bereits mit aschermittwöchlich-sorgenvoller Miene in Richtung Bundesinnenminister, könnten sie doch ebenfalls in den Strudel hauptstädtisch-neidischen Unfrohsinns hineingezogen werden.

    Ein Sprecher der ‚Arbeitsgemeinschaft der Personalräte der obersten Bundesbehörden‘ betonte gegenüber dem General-Anzeiger, beim Feiern lerne sich die Belegschaft auch anders kennen: "Manches geht nachher einfacher." Wir wollen aus Gründen des Anstandes nicht hinterfragen, was genau er damit meint.

    "Diese Entwicklung ist bedenklich und könnte einen Stein ins Rollen bringen. Rosenmontag ist im Rheinland ein Feiertag, wenn auch kein gesetzlicher", so zitiert die Zeitung Festausschusspräsidentin Marlies Stockhorst. Der Untergang des Rheinlandes steht unmittelbar bevor. Wie aus ungewöhnlich gut informierten Kreisen zu erfahren war, haben einige KMK-Mitarbeiter bereits die Initiative BEGEDER ("Beamte gegen Entkarnevalisierung des Rheinlandes") gegründet und für Montag, den 16. Februar, nach Dienstschluss zu einem "Rosenmontagsspaziergang" aufgerufen. Die Polizei rechnet daher für diesen Tag mit erheblichen Verkehrsbehinderungen, auch Wurfgeschosse, Konfettikanonen und Lärmbelästigungen können nicht ausgeschlossen werden. Daher rät sie, die Bereiche Innenstadt und Innere Nordstadt möglichst zu meiden, bis BonnOrange die Straßen geräumt hat; der genaue Weg des Spaziergangs wird noch bekanntgegeben.

    Von der Bildung einer Gegenbewegung ist bislang nichts bekannt. Auch die Mitarbeiter von Post, Telekom und Postbank, ebenfalls ehemalige Behörden, sowie weiterer Bonner Unternehmen begegnen dem amtlichen Aufschrei mit einem Schulterzucken, zumal für sie schon vor Jahren die Arbeitsbefreiung nicht nur an Rosenmontag, sondern auch Heiligabend und Silvester aufgehoben worden ist. Viele von ihnen wollen jedoch am 16. Februar Urlaub nehmen, um sich den BEGEDER-Spaziergang anzuschauen. Mit einer Teilnahme der Initiative "Abendland antwortet auf Feierverbot" (ALAAF), die sich aus der Mitte einiger Ministerien gebildet hat, ist indes aufgrund innerer Zerstrittenheit nicht zu rechnen. Daher ist laut Polizei mit gewalttätigen Ausschreitungen - abgesehen von wenigen alkoholbedingten persönlichen Ausfällen - nicht zu rechnen. Oder wie der Rheinländer sagt: Et hätt noch emmer joot jejange.

    (Auch veröffentlicht in gekürzter, nicht ganz so alberner Version bei bundesstadt.com)

  • Das Ende ist nahe

    Die Welt im Januar 2015. Menschen stehen Schlange, um eine Zeitschrift zu erwerben, deren Sprache sie nicht verstehen, weil sie in der Schule damals lieber Latein statt Französisch gewählt oder das Gelernte längst vergessen haben. Andere fühlen sich durch diese Zeitschrift, die auch sie nicht verstehen, verhöhnt und zünden deswegen Kirchen und Kneipen an. Die übrigen schauen auf RTL einer Gruppe Bekloppter bei zweifelhaften Spielchen im australischen Dschungel zu.

    Als Gott der HERR dies sah, erkannte er, dass die Sache mit der Arche damals wohl seine größte Fehlentscheidung gewesen war. Eine Lösung musste her. Doch welche? Überschwemmungen zeigten nur noch örtlich begrenzte Wirkungen; Pest, AIDS und Ebola scheiterten am medizinischen Fortschritt der Menschheit. Vielleicht ein Atomkrieg? Doch würde dieser Gottes Schöpfung vollständig verheeren, einschließlich allen Gewächses und Gewürmes, welches da sprießt und kreucht, ein jedes nach seiner Art.

    Da fiel dem HERRN das Internet ein, damit müsste sich was machen lassen. Und also bestellte er zwölf IT-Experten ein und sprach: "Sehet, die Menschheit ist wahnsinnig geworden. So gehet hin, sie zu zerstören. Und diesmal keine Überlebenden bitte, das tue ich mir nicht noch einmal an!" So schlossen sich die zwölf Experten in ihre Cloud ein und machten sich nach dem Kick Off Meeting an die Arbeit. Sie erstellten die erforderlichen Dokumente, welche da hießen: Business Case, IT-Budgetantrag, Anforderungsdokumentation, System Requirement Statement, Phase Gate 1 bis 34 nach dem zertifizierten KOMPLEX-Vorgehen, Sicherheitskonzept und Datenschutzanalyse. Ferner mussten noch ein Entwicklungs- und ein Wartungsdienstleister ausgewählt sowie ein kostenpflichtiger User Support Helpdesk* eingerichtet werden.

    Bald aber waren die Experten so sehr mit sich selbst beschäftigt und im Kompetenzgerangel zerstritten, dass das Projekt schließlich aus Budgetgründen eingestellt wurde. Als Gott sah, dass er dem menschlichen Wahnsinn nichts mehr entgegenzusetzen hatte, weinte er bitterlich sieben Tage und sieben Nächte lang. Dann schaltete er den Fernseher ein, kuckte IBES, und er sah: Das Ende war nahe. Da lächelte der HERR.

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    * 54 Cent je Minute aus dem Festnetz der Deutschen Telekom, aus Mobilfunknetzen können höhere Entgelte anfallen.

  • Hut ab!

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  • Gratwanderung

    Eher zufällig wurde ich auf das Projekt *.txt im Blog Neon|Wilderness aufmerksam. Ein wenig erinnert es an die Schulzeit, als der Deutschlehrer ein Thema an die Tafel schrieb, zum Beispiel "Mein peinlichstes Nahtoderlebnis" oder "Warum mich mein Schutzengel mittlerweile hasst und ich trotzdem so weiter mache", und wir dann bis zur nächsten Deutschstunde Zeit hatten, darüber einen Aufsatz zu schreiben, Sie erinnern sich: Einleitung, Hauptteil, Schluss. So ähnlich ist *.txt auch, nur gibt Dominik, der Initiator, nicht ein Thema vor, sondern nur ein Wort, und die Teilnehmer haben nicht nur einen oder zwei Tage Zeit, darum einen Aufsatz zu spinnen, sondern sage und schreibe drei Wochen. Und benotet wird das ganze am Ende (hoffentlich) auch nicht. 

     

    "Das ist doch reizend", dachte ich mir und meldete mich spontan an. Mit Spannung erwartete ich also das Wort, welches für den 7. Januar angekündigt war, und also kam es und lautete: "Gratwanderung". Gratwanderung? Hm - daraus sollte sich was machen lassen, so mein erster Gedanke, aber was? Eine spontane Idee hatte ich nicht, also erstmal gedanklich ablegen und auf Inspiration hoffen, drei Wochen sind eine lange Zeit. 

     

    Dann kamen plötzlich noch am selben Tag die schrecklichen Meldungen aus Paris, wo wahnsinnige Islamisten auf perfide Weise deutlich machten: auch im einundzwanzigsten Jahrhundert, auch in unserer "freien westlichen Welt" ist die Wahrnehmung der Meinungsfreiheit, erst recht wenn sie in Form von Satire daher kommt, immer noch riskant. (Mehr möchte und werde ich nicht dazu schreiben, weil erstens dazu bereits sehr viel geschrieben wurde und zweitens von Leuten, die das viel besser können.)

     

    Doch muss man gar nicht den Wahnsinn des Terrors vor Augen haben, es genügt schon ein Blick in die Arbeitswelt. Große Konzerne rühmen sich, das Wohl ihrer Mitarbeiter als eines der wichtigsten Unternehmensziele hinzustellen, bezeichnen sie gar gerne als ihr "Aushängeschild" (was nicht selten bedeutet, dass sie sie im Regen stehen lassen), predigen den offenen Dialog zwischen Führung und Fußvolk. Die Wahrheit sieht oft anders aus: Wie weit kann ich beim jährlichen Mitarbeitergespräch gehen, wie offen kann ich dem Chef seine - nennen wir es mal - Optimierungspotentiale aufzeigen, ohne berufliche Nachteile befürchten zu müssen? Haben wir es nicht schon erlebt, dass allzu offene Kollegen in Ungnade fielen und plötzlich aus an den Haaren herbeigezogenen Gründen die Abteilung oder gar das Unternehmen verließen?

     

    Oder nehmen wir die Partnerschaft. Soll ich dem Partner ständig vorhalten, was mir an ihm nicht passt, etwa dass er "ständig" seine Hose irgendwo rumliegen lässt, "schon wieder" denn Müll nicht mit runter genommen hat oder hinter meinem Rücken mit meinem Auto zum Cruising fährt? Möchte ich riskieren, dass der Haussegen dauerhaft schief hängt wegen Dingen, die an sich ziemlich unwichtig sind?

     

    Auch wenn es vielleicht bequem oder gar feige ist: Manchmal ist es besser, die Klappe zu halten und die Dinge hinzunehmen, wie sie sind. Das gilt ausdrücklich nicht für die Ereignisse in Paris!

     

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    Nachtrag: Auf schmalem Grat wandeln auch Frisöre, die diese Bilder ins Fenster hängen, um für ihr Handwerk zu werben - bleibt doch oft unklar, ob die Frisur der dort abgebildeten Person den Zustand vor oder nach der angebotenen Dienstleistung darstellt. Da nützt es dann auch nichts, dass Frisöre können, was nur Frisöre können.

  • Tragisch

    Drei junge Männer rasen des Nachts in mitgebrachten Kinderschlitten die Winterberger Bobbahn hinunter. Sie verlieren die Kontrolle, prallen schließlich gegen einen zufällig am Ende der Bahn abgestellten Traktor, verunglücken dabei schwer, einer tödlich.

    Übermütige Jugendliche klettern auf abgestellte Güterwaggons, unterschätzen die tödliche Gefahr, welche von den 15.000 Volt in der Oberleitung ausgeht, kommen ihr zu nahe - ein Blitz, ein Knall, schwere Verbrennungen, meistens mit Todesfolge.

    Das ist schlimm. Immer wieder ist dann in den Medien von "tragischen" Unglücken zu hören und lesen. Doch was bedeutet eigentlich tragisch? Schauen wir in den Duden:

    "auf verhängnisvolle Weise eintretend und schicksalhaft in den Untergang führend und daher menschliche Erschütterung auslösend"

    Verhängnisvoll und schicksalhaft - also fremdgesteuert, vom Betroffenen weder zu beeinflussen noch zu vermeiden. Tragisch sind also zum Beispiel Zugunglücke wie das von Eschede, Flugzeugabstürze durch Blitzschlag, Vulkanausbrüche, Erdbeben oder der zufällige Aufenthalt in der Nähe einer von Terroristen gezündeten Bombe. (Morgens durch Herbert Grönemeyer im Radiowecker aufzuwachen, ist zwar auch verhängnisvoll und erschütternd, aber nicht besonders tragisch.)

    Niemand zwang indes die Jungs, die Bobbahn hinunter zu fahren oder auf Güterwagen zu klettern - außer vielleicht ihr Testosteron. Möge mich der Schlag mit mindestens 15.000 Volt treffen, sollte in den Windungen meines Hirns ein Gedanke wohnen, der da ätzt "geschieht ihnen recht" oder ähnliches. Doch bei allem Respekt und Mitgefühl für die Betroffenen und ihre Angehörigen: Das war nicht tragisch, das war einfach nur dumm. Meine menschliche Erschütterung hält sich daher in Grenzen.

    Keineswegs wunderte es mich, würden jetzt Stimmen laut, die zur Vorbeugung gegen solche Ereignisse deutliche Warnhinweise auf Güterwagen* und vor Bobbahnen fordern. So wie auf Pappkaffeebechern vor möglicher Verbrühungsgefahr durch heißen Inhalt gewarnt wird, oder Anfang der Neunzigerjahre allen Ernstes gefordert wurde, in Mecklenburg-Vorpommern alle Alleebäume zu fällen, weil die dortigen Autofahrer aufgrund noch ungewohnter PS-Stärke westlicher Kraftfahrzeuge dieselben reihenweise vor den Baum setzten mit oft tödlichem Ausgang, also für die Fahrzeuginsassen, seltener für den Baum. Derartige Ansinnen sind nicht tragisch, eher schon fast komisch.

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    * Schon seit Anbeginn der elektrischen Zugförderung sind auf Eisenbahnfahrzeugen im oberen Bereich Blitzsymbole als Warnung angebracht für kraft ihrer Tätigkeit befugte Eisenbahner, das Fahrzeug zu besteigen. Für besoffene Jugendliche reichen die anscheinend nicht aus.

  • Nicht-Vorsätze für 2015

    Silvester. Mit i, nicht y, auch wenn der Kater am nächsten Tag fast so sicher* ist wie Norbert Blüms Rente. Zeit für gute Vorsätze - darum erstellen viele Menschen in diesen Tagen wieder eine Liste mit den Dingen, die sie im neuen Jahr besser, öfter, weniger, gar nicht mehr oder überhaupt endlich machen wollen. Läsen sie diese Liste nach zwölf Monate erneut, stellten sie fest, dass sie nichts, aber auch gar nichts von alledem in die Tat umgesetzt haben. Tun sie aber nicht, sie haben die Liste spätestens Ende Februar vergessen.

     

    Ich dagegen erstelle traditionell jahresendlich eine Liste mit Dingen, die ich im neuen Jahr nicht angehen, umsetzen, erreichen oder ändern will. Das Erfolgserlebnis am Jahresende ist garantiert. 2015 werde ich nicht:

     

    + Mein gelöschtes Facebookprofil wiederbeleben. Dieses Mal hoffentlich endgültig…

    + Ein Herbert-Grönemeyer-Konzert besuchen.

    + Ein Udo-Jürgens-Konzert besuchen - leider.

    + Mir die Achseln rasieren.

    + Urlaub in der Türkei machen. Es soll dort sehr schön sein, aber dieser größenwahnsinnige Herrscher ist mir unheimlich.

    + Eine Fernreise machen. Wenn auch Reisen für viele Menschen das Größte ist - ich würde Europa nur ungern verlassen. Nach Russland will ich auch nicht. Nicht, so lange Schwule dort um ihr Leben fürchten müssen.

    + Die Menschen verstehen, z.B. warum Mord am Sonntagabend höchste Familienfernsehkultur, Porno jedoch igitt ist. Oder was so schwer daran ist, Rad- und Fußwege ihrem jeweiligen Zweck entsprechend zu benutzen. Diese Aufzählung ließe sich beliebig verlängern, vielleicht schreibe ich im neuen Jahr mal einen eigenen Aufsatz dazu.

    + Mir Eiswasser über den Kopf gießen oder was auch immer Vergleichbares 2015 Trend sein wird, sei der Zweck auch noch so gut gemeint. Dazu gehört wohl auch

    + mir einen Schnauzbart wachsen lassen.

    + Aufhören zu rauchen.

    + Ein Haustier zulegen. Silberfische, Filzläuse und Fruchtfliegen zählen nicht.

    + Ohne Not billigen Wein trinken.

    + Vor 9 Uhr morgens freiwillig und ungefragt reden.

    + Danke sagen, wenn jemand in der vollen Bahn erst auf Anfrage seine Tasche vom Platz nimmt, auf dass ich mich setzen kann.

    + Nach Paris fahren - ich würde ja gerne endlich mal, aber irgendwie klappt das leider nie.

    + Eins der zahlreichen Bücher von oder über Helmut Schmidt lesen.

    + Elektronische Bücher statt solche aus Papier lesen. 

    + “Spaß beiseite" sagen.

    + Jahresrückblicke lesen oder anschauen.

    + Einen vielbeachteten Blogtext verfassen.

     

    Die Liste ist natürlich nicht vollständig, unter anderem habe ich auch nicht vor, mir die Haare grün zu färben, ein Auge auszustechen, mich vom Posttower zu stürzen, an Schleimmonster zu glauben oder mit Gips zu gurgeln. Aber das soll erstmal reichen. In diesem Sinne: ein gutes neues Jahr Ihnen allen!

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    * Früher schrieb man auch "vorprogrammiert", bis Sebastian Sick heraus fand, dass das doppelt gemoppelter Unfug ist. Seitdem schreiben Journalisten stattdessen gerne "programmiert", was zwar korrekt im Sickschen Sinne ist, jedoch nicht schön oder gar originell. 

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