szmmctag

  • Wider den S13-Unfug

    Liebe Bonner,

    mich erreichte die Tage folgende E-Mail von Florian Kalff zum Thema S13. Leider kann ich selbst am Mittwoch nicht dabei sein, wünsche mir jedoch sehr, dass zahlreiche Kritiker dieses Projekts teilnehmen und ihren Standpunkt vertreten werden. Noch ist es nicht zu spät, diesen Unfug zu stoppen.

    ***

    Liebe Freunde des Beueler Bahnhofs,

    am kommenden Mittwoch um 19.30 veranstaltet der General-Anzeiger im Beueler Rathaus eine Diskussionsrunde rund um aktuelle Beueler Themen. Moderiert wird der Abend von Holger Willcke, ein allseits bekannter Gegner des Güterbahnhofs, ein glühender Verfechter der S13 und großer Befürworter des Lidl-Bauprojektes, für das der Güterbahnhof hätte geopfert werden sollen (viele werden sich erinnern).

    Willcke läßt, sekundiert vom Ulrich Kelber (auch ein bekennender Feind des Güterbahnhofs sowie S13-Betonkopf und in dieser Angelegenheit sehr "flexibel" mit der Wahrheit), im Vorfeld nichts unversucht Stimmung gegen den Bahnhof und für die S13 zu machen.

    So schwadroniert Willcke bei jeder Gelegenheit vom "ehemaligen" Güterbahnhof wohlwissend, daß von "ehemalig" keine Rede sein kann. Er berichtet auch (zum Beispiel gestern im GA, siehe Anhang) immer wieder wahrheitswidrig, ein Lärmschutz in Beuel könne nur mit der S13 kommen. Den selben Stuss verbreitet Kelber ständig. Der Landesverkehrsminister hat es der MdL Hendricks schon vor Jahren schriftlich mitgeteilt: Beuel könne "selbstverständlich" Lärmschutz ohne S13 haben, wenn Beuel sich auch nur ein mal darum beworben hätte.

    Das hat Beuel aber nicht getan – im Gegenteil! Zwei mal hat die Bezirksvertretung Beuel den Antrag des BBB für einen separaten Lärmschutz unabhängig von der S13 abgelehnt, mit der Begründung, ein separater Lärmschutz würde das Gesamtprojekt S13 gefährden. Zusammengefasst ist also genau das Gegenteil dessen richtig, was Willcke und Kelber behaupten: WEGEN der S13 bekommt Beuel KEINEN Lärmschutz!

    Das haben inzwischen auch viele Bürger erkannt und beginnen sich für einen Lärmschutz unabhängig von der S13 stark zu machen. Das aber paßt Willcke und Kelber nun gar nicht in den Kram.

    Willckes Veranstaltung soll offenkundig die Bürger wieder zurück auf Linie bringen. Das auf der Hand liegende Kalkül dahinter pfeifen in Beuel die Spatzen von den Dächern: wird der Güterbahnhof nach dem Willen Willckes und Kelbers endlich zerstört, ist das der lang ersehnte Startschuss zur großen "Umgestaltung" des Beueler Ostens. Hier warten einige große Grundstückbesitzer schon lange darauf, daß der Bebauungsplan geändert wird und großflächiger Einzelhandel (z. B. Toys'R'Us, Mega-EDEKA, etc.) endlich möglich wird. Dadurch vervielfachen sich über Nacht die Grundstückspreise in Beuel-Ost und einige Herren machen richtig Kasse. Auf der Strecke bleiben mittlere und kleine Gewerbe und die Wohnbevölkerung, die die explodierenden Mietpreise dann nicht mehr werden zahlen können.

    Die S13 ist der Startschuss zur Zerstörung eines ganzen Viertels! Es liegt an uns die Gelegenheit am kommenden Mittwoch zu nutzen und von unseren demokratischen Rechten Gebrauch zu machen. Also bitte kommt zur Veranstaltung und sagt Willcke & Co was Ihr von deren Plänen haltet.

    Gruß vom Bahnhof

    Florian

    Beuel

    PS:
    Hier noch einige Detail-Informationen zum Willcke-Artikel von gestern (im Anhang), für alle die es ganz genau wissen wollen

    Zur Bildunterschrift "Die Neugestaltung des ehemaligen Güterbahnhofsgeländes ist eine der Herausforderungen, der sich die Politiker in Beuel stellen müssen"
    Ein typischer Willcke-Satz, der vor Unwahrheiten und Propaganda nur so trieft. Im einzelnen:
    - "ehemaliger Güterbahnhof" ist glatt gelogen. Am Güterbahnhof verladen regelmäßig die Rhein-Sieg-Eisenbahn (Holz, Schotter, Stahl etc.), die Brohltalbahn, die DB selber, andere freie Eisenbahnen und der VW-Entfallteiledienst große Mengen an Gütern von der Schiene auf die Straße und umgekehrt. Der Güterumschlag in Beuel ist in den letzten 10 Jahren erheblich angewachsen. Von "ehemalig" kann nun wirklich nicht die Rede sein.
    - Die "Neugestaltung" ist ein Willcke/Kelber-Hirngespinst. Es besteht zu einer "Neugestaltung weder ein städtebaulicher noch ein verkehrspolitischer Bedarf und juristisch ist er auch gar nicht möglich. Das Güterbahnhofsgelände ist eine planfestgestellte, gewidmete Eisenbahnfläche. Eine Entwidmung ist von keiner Seite geplant oder gar beantragt, sie wäre auch juristisch nicht durchsetzbar. "Umgestalten" möchten hier nur einige Immobilienspekulaten und Holger Willcke.
    - Die Lokalpolitk (und nur darum geht es bei der Kommunalwahl) hat formal kein Mitspracherecht bei einer eventuellen Entwidmung eines bundeseigenen Geländes. Daher hat das Thema in der Lokalpolitik nichts verloren.

    Zum Satz "solange Bund, Land und Deutsche Bahn keinen verlässlichen Finanzierungs- und Bauzeitenplan vorgelegt haben…."
    Hier impliziert Willcke wieder die Unwahrheit, der Bund hätte irgendetwas mit der Finanzierung der S13 zu tun. Die S13 aber ist ein reines Landesprojekt, mit dessen Durchführung das Land die DB und den VRS beauftragen möchte für den Fall, daß der Bau- und Finanzierungsvertrag aus dem Jahr 2000 Rechtskraft erlangt (das hat er nämlich noch nicht!). Dieser Vertrag wurde zwischen Land, DB und VRS geschlossen. Der Bund ist und war nie Vertragspartner und deshalb gibt es auch natürlich kein zweckgebundenes Geld für die S13 vom Bund, auch wenn Willcke und Kelber immer wissentlich falsch das Gegenteil behaupten.

    Zum Satz "vom Trassenbau für die S13 hängt auch der lang ersehnte Bau der Lärmschutzwände …..ab. Ohne die Neubaustrecke wird es nach Auskunft der DB keinen Lärmschutz geben."
    Ein immer wiederholte Falschinformation von Willcke und Kelber. Das Gegenteil ist richtig. Die DB und das NRW-Verkehrsministerium haben immer betont, daß es selbstverständlich möglich ist einen angepassten Lärmschutz ohne S13 zu bauen. Aber die Beueler Politik will das nicht, sie bestehen auf ihrer Alles-oder-Nichts-Politik.

  • Politisch korrekt

    Nun hängen wieder überall in der Stadt bunte Wahlplakate, noch erstaunlich wenige verziert mit lustigen Zahnlücken und Hitlerbärtchen. Dank unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung darf auch Pro NRW um die Gunst des Wählers werben. Ein Plakat ebendieser Gruppierung verkündete bis gestern unter anderem an der B9, Höhe der Stadtbahnhaltestelle Ollenhauerstraße, eine Parole gegen die drohende Asylantenflut, hoch an einen Lampenpfahl gebunden, auf dass es jeder sehe und niemand beschmiere.

    Als ich heute Morgen von der Stadtbahn zum Büro ging, hing das Plakat nicht mehr an seinem Platz, sondern lag am Fuße der Laterne, zerrissen und zerfetzt. Da musste ich kurz lächeln. Das war wohl nicht politisch korrekt.

  • Abi '86

    Übelkeit

    Am vergangenen Samstag besuchte ich meine Eltern in Bielefeld. Bei der Gelegenheit übergab mir meine Mutter einen dicken Umschlag mit der Aufschrift "Schule". Dieser enthielt jedoch mehr als ein paar alte Zeugnisse, nämlich unter anderem auch die Abiturrede unseres Jahrganges, die ich geschrieben und auf der Abschlussfeier vor Mitschülern, Eltern und Lehrern vorzutragen die Ehre und das Vergnügen hatte. Jahrelang wähnte ich sie verschollen, jetzt ist sie wieder da! 

     

    Ladies and Gentlemen, Stancerblog proudly presents die Abiturrede des Jahrgangs 1986 des Gymnasiums Heepen zu Bielefeld. Viel Vergnügen!

     

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    Liebe Mitschüler, liebe Eltern, verehrte Lehrer!

     

    Wir alle sind hier und heute versammelt, um Abschied zu feiern. Ja, nun ist es auch für uns so weit: Wir, die Schüler des Abiturjahrganges 1986, verabschieden uns nach 13 (oder auch mehr) Jahren von der Institution, die uns auf den Ernst des Lebens vorbereiten sollte. Für den einen mag das sehr erfreulich sein, für den anderen weniger. Ich selbst zähle mich zu zweiteren, denn ich finde es schade, daß für mich die Schulzeit nun vorbei ist.

     

    Ich erinnere mich noch recht gut an den Tag, als ich vor neun Jahren hierherkam. Mein erster Eindruck war ein grauer Betonklotz, aus dessen Fenster viele neugierige Köpfe schauten, um die Neuankömmlinge zu begutachten. Nach der Begrüßungsrede des Herrn Dr. Döpelheuer wurden wir auf unsere Klassen verteilt und mußten uns erst einmal an die neue Situation gewöhnen. Neu war vor allem, daß es Mitschüler gab, die doppelt so groß waren wie wir und sehr erwachsen aussahen. Wenn ich dagegen uns heute so betrachte… Wir hatten damals noch Respekt vor Schülern der Oberstufe! Wir hätten es nie gewagt, so einen großen Bärtigen schief anzureden. Und wie ist das heute? Kein Funken Respekt wird uns heute noch von den Kleinen entgegengebracht! Tja, sic transit gloria mundi, was frei übersetzt so viel heißt wie so schwindet das Ansehen des Oberprimaners dahin.

     

    Natürlich gab es auch neue Dinge innerhalb der Klasse. Zu Beginn der Stunde mußten wir aufstehen, wenn der Lehrkörper des Raum betrat. Hier auf dem Gymnasium wehte ein anderer Wind als auf der Grundschule; hier mußte man schon etwas tun für gute Zensuren. Natürlich kamen auch die außer-unterrichtlichen Beschäftigungen nicht zu kurz. Wir machten teilweise einen Mist von ungeahnter Vielfalt, sei es, daß wir arme Mitschüler in den Klassenschrank sperrten, aus dem sie sich erst mitten in der Stunde befreien konnten, was bei dem Lehrer auf gewisses Unverständnis stieß und mit einer Rüge geahndet wurde, oder daß wir zuförderst *1 besserer Kommunikation Steine aus der Wand zur Nachbarklasse pulten. Rüge, das war das magische Wort, vor dem anfangs alle erzitterten, das aber direkt proportional zur Jahrgangsstufe an Bedeutung verlor, ja selbst der größere Bruder, der Tadel, konnte später nur noch ein müdes Grinsen hervorrufen. In unserer Klasse war es fast ein Sport, Eintragungen zu sammeln; so belief sich die Anzahl der Eintragungen, ich glaube es war in der 8c, auf über 100.

     

    Dann kam sie, die Oberstufe. Wieder mußten wir uns umstellen: Mit der Klassengemeinschaft war es plötzlich aus, und die Kurse, die in Neun und Zehn nur als willkommene Abwechslung angesehen wurden, wurden plötzlich ernst. Das schlimmste war für mich die Tatsache, daß ich nun für den Sport extra nachmittags noch einmal erscheinen mußte. Es ist doch wirklich ein Hohn! Jedes Fach, sogar Mathe, kann man irgendwann abwählen, nur Sport muß man fast bis zum bitteren Ende behalten. Daran ist nur das System schuld! *2

     

    Ich konnte mich nie daran gewöhnen, nun plötzlich von einigen meiner Lehrer gesiezt zu werden, vor allem dann nicht, wenn mich die Lehrerin oder der Lehrer noch vor wenigen Wochen geduzt hat. Bin ich denn innerhalb so kurzer Zeit um so vieles erwachsener geworden?

     

    Aber die Oberstufe brachte auch Privilegien mit sich, die uns vorher nicht zuteil wurden. So durften wir jetzt in Pausen offiziell das Schulgelände verlassen (schließlich hat man mit 16 die nötige Reife zum Überqueren einer Straße erlangt), ohne später verhört zu werden, was natürlich viele in der Neun und Zehn nicht abhielt, mal eben zum Bäcker zu gehen. Wir durften, was anfangs noch mit Rügen geahndet wurde, in den Pausen im Klassenraum bleiben, sofern wir der Aufsicht führenden Person unsere Oberstufenangehörigkeit klarmachen konnten. Und schließlich durften die Raucher unter uns ihren Gelüsten freien Lauf lassen, natürlich nur in der Raucherecke *3, wer nicht hören will, muß fegen! Da sich nur wenige daran hielten, wurde die Raucherecke kurzerhand dorthin verlegt, wo sich die Raucher ohnehin am liebsten aufhielten. Schließlich ist die Schule für den Schüler da und nicht umgekehrt.

     

    Wie gesagt war es wieder eine große Umstellung von dem Klassenverband auf das Kurssystem. Doch daran hatte man sich nach einiger Zeit gewöhnt, und immerhin lernte man neue Leute kennen, deren Existenz man vorher nicht mal geahnt hatte. Und die verlorene Klassengemeinschaft hatte spätestens in der Zwölf einer Kursgemeinschaft Platz gemacht, die genauso gut war und die durch Kurstreffen und "Studienfahrten" vielfach noch verstärkt wurde. Dem Klassenlehrer war der Jahrgangsstufenleiter bzw. die Leiterin gefolgt, der an dieser Stelle für ihre Tätigkeit gedankt sei. (Überreichung eines Geschenkes)

     

    Auch unsere Einstellung zur Schule im Allgemeinen und unser Pflichtbewußtsein im Besonderen hatte sich ein wenig gewandelt. So hätten wir es früher nie gewagt, eine Stunde mal eben frei zu nehmen, ohne von einer plötzlichen schweren Krankheit heimgesucht worden zu sein. Schließlich mußte man sich eine solche Stunde von den Eltern in Form einer Entschuldigung absegnen lassen. Doch jetzt, im Zeitalter der "Benachrichtigung über versäumten Unterricht", wo man fast nur noch "Zutreffendes durchkreuzen" muß, wurde es uns recht leicht gemacht, im Rahmen eines Motivationsdefizites in den Genuß einer außerplanmäßigen individuellen Freistunde zu kommen. Natürlich, liebe Lehrer, weiß ich, daß es Ihnen in vielen Fällen völlig klar war, daß der angegebene Versäumnisgrund nicht immer mit der Wahrheit übereinstimmte, man kennt schließlich seine Pappenheimer, aber was sollten Sie machen? So haben Sie dann zähneknirschend Ihr Kürzel auf den Zettel gesetzt, welcher dann meistens den Weg alles irdischen ging, also vernichtet wurde. *4

     

    Auch den Einzug moderner Technik in unsere Schule haben wir miterleben dürfen. Das äußerte sich zum einen darin, daß plötzlich alle Stunden- und Raumbelegungspläne, ja sogar Zeugnisse von einem Computer gedruckt wurden, aber auch darin, daß unsere Pausen durch Brunos Heiligtum, die Getränke- und Joghurtautomaten versüßt wurden. An dieser Stelle möchte ich Herrn Hoffmann grüßen und ihm für seine zuvorkommende Freundlichkeit und ausnehmende Höflichkeit danken, durch welche es uns stets ein Vorbild war. Es sei denn, er hatte schlechte Laune, aber das kann ja mal vorkommen. *5

     

    Ja, das alles ist nun zumindest für uns vorbei. Wir gehen alle unsere Wege, in die Lehre, ins Studium, zur Bundeswehr, oder was weiß ich. Da bleibt mir nur eines zu sagen: Machts gut! Wir hatten zwar viel Streß und Ärger, aber auch sehr viel Spaß hier. Oder nicht?

     

    Doch nun will ich langsam zum Ende meiner Ausführungen kommen, und zwar mit etwas lyrischem. Einigen von Ihnen ist Goethes "Faust" sicherlich ein Begriff (Uns jedenfalls nicht. Wir bekamen höchstens expressionistische Großstadtgedichte vorgesetzt). Da Goethe sich nicht mehr wehren kann, bitte ich auch Sie, mir das folgende nicht übel zu nehmen.

     

    Vollbracht *6

     

    Habe nun, ach! Philosophie,

    Mathe, Deutsch, Latein, Chemie,

    Und leider auch Biologie,

    Durchaus studiert, begriffen nie.

    Da steh ich nun, ich armer Tor,

    fühl mich viel klüger als zuvor!

    Heiße Primaner, Abiturient gar,

    Und ziehe schon an die dreizehn Jahr

    Herauf, herab, und quer und krumm

    Meine Lehrer an der Nase herum -

    Und sehe, daß wir nicht mehr wissen können!

    Drum will ich mir jetzt Ruhe gönnen.

    Ich bin jetzt gescheiter als all die Laffen

    aus längst vergangenen unteren Klassen;

    Mich plagen jetzt kein Referat noch Klausur,

    Fürchte mich weder vor Schule noch Lehrerfigur -

    Dafür ist mir auch aller Streß entrissen,

    Bilde mir nicht ein, jetzt noch was zu wissen,

    Bilde mir nicht ein, ich könnte jetzt was lernen,

    Ich möchte jetzt eins, nämlich feiern nur,

    Es ist vollbracht, das Abitur!

     

    - - - - - 

    *1) Schon damals hatte ich einen Hang zur Verwendung veralteter Wörter. Leider passt "zuförderst" hier überhaupt nicht: erstens schreibt man es mit v statt f, zweitens bedeutet es "vor allem", gemeint war aber "zwecks". Ich hoffe, niemand der Zuhörer merkte es.

     

    *2) Heute bin ich nicht mehr sicher, ob das ironisch gemeint war. Sehr wahrscheinlich ja, meine Neigung zu linken Parolen war nicht besonders ausgeprägt; viel lieber verspottete ich die bärtigen Latzhosenträger, die solche Sätze gebrauchten.

     

    *3) Für die jüngeren Leser: Ja, damals war das Rauchen in dafür vorgesehenen Zonen auf dem Schulhof offiziell erlaubt. Inzwischen ist das Wort ‚Raucherecke‘ genau so ausgestorben wie etwa ‚Kassettenrekorder‘ oder ‚Überspielkabel‘.

     

    *4) Zum Glück nicht immer. Der Umschlag enthielt auch einige der genannten Formulare, hier eine Auswahl der von mir angegebenen Gründe des Fernbleibens:

    - Übelkeit

    - Übelkeit mit Erbrechen

    - theor. Führerscheinprüfung

    - Kopfschmerzen

    - starke Erkältung

    - Vorstellungsgespräch

    - Einstellungstest

    - Familienfeier in Göttingen

    - Musterung / EVP

    - postklausurale Nervenüberbelastung, verbunden mit Motivationsmangel

    Und das haben die Lehrer alles abgezeichnet.

     

    *5) Das war, unschwer zu erkennen, Ironie. Bruno H. war der klassische Schulhausmeister: graublauer Kittel und stets unfreundlich gegenüber uns Schülern. Vermutlich hasste er uns. Vielleicht wäre er versöhnlicher gewesen, hätte es damals schon den Begriff ‚Facility Manager‘ gegeben, wer weiß.

     

    *6) Reim dich oder ich fress dich. Sie kennen das von diversen Familienfeiern.

  • Offline

    Gestern Abend verabsäumte ich nach anstrengender Chorprobe, mein mobiles Datenendgerät, welches schon arg geschwächt war, an das Ladekabel zu schließen, mit der unerfreulichen Folge, dass der Ladestand des Akkus in des heutigen Tages Frühe bei wenigen Prozenten lag. Daher beschloss ich, das versäumte nachzuholen und ohne das ansonsten unentbehrliche aus dem Hause zu gehen.

    Des Abends, nach eines langen Arbeitstages Heimkehr, erkannte ich: Ich habe den Tag überlebt und das Gerät so gut wie gar nicht vermisst.

    Fazit: Es besteht noch Hoffnung.

  • Ausgezwitschert

    Vor einem Monat zwitscherte ich nämliches:

    last-tweet

    Dies war gleichsam die letzte Meldung in meinem Twitterprofil @PlanC_. Ja, ich bin des Zwitscherns müde, nach fünf Jahren fällt mir nichts mehr ein, was mitteilenswert erschiene, und wenn, dann hat es meistens schon ein anderer zuvor geschrieben. Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören. So gesehen hätte schon vor Monaten Schluss sein müssen, denn seit längerem war die Resonanz auf meine Zwitschereien sehr gering, und die Zahl meiner Leser ging kontinuierlich zurück.

    Das ist nicht schlimm, es ist nur Twitter. Nur? Na ja… Für gewöhnlich kann ich mit Wettbewerb nichts anfangen, das Gen, siegen zu müssen, ist bei mir entweder nicht vorhanden oder nur sehr schwach ausgeprägt, schon als Schüler nahm ich es bei den verhassten Bundesjugendspielen mit einem gleichgültigen Schulterzucken zur Kenntnis, wenn andere schneller liefen, weiter warfen und sprangen. Anders bei Twitter: Da schreiben Leute Sachen, die meiner unmaßgeblich-persönlichen Meinung nach nicht besser sind als meine eigenen, doch ist die Zahl ihrer Gefolgschaft um ein vielfaches höher als meine, und jeder ihrer Tweets wird mindestens zweistellig besternt. Ich gebe zu: das wurmte mich.

    Am 29. März war in Köln wieder das legendäre #Koellesterin, und ich war froh gewesen, auf der Gästeliste zu stehen. Doch je näher der Termin kam, desto weniger Lust verspürte ich darauf. Zum einen fühle ich mich langsam zu alt, eine Nacht durchzusaufen und anschließend im Grauen des neuen Tages mit der Bahn voller Partypöbel zurück nach Bonn zu fahren, gefolgt von einem Katersonntag und dumpfer Montagsmelancholie. Stattdessen mit dem Liebsten grillen und anschließend mit einer Flasche Wein im Garten sitzen, da muss ich nicht mehr lange überlegen, welche Alternative die bessere ist. Zum anderen, und das ist der wesentliche Grund, hatte ich schon beim letzten Mal im November gemerkt: ich gehöre nicht dazu, vielleicht will ich das auch gar nicht. Daher sagte ich am Nachmittag ab, hoffentlich früh genug, um jemanden glücklich zu machen, der auf der Warteliste stand.

    Fünf Jahre Twitter brachten mir sehr viel Freude, sowohl am Schreiben als auch am Lesen, und durch Twitter habe ich einige liebe Menschen im echten Leben kennen gelernt, welche ich nicht mehr missen möchte, also jedenfalls die meisten. Dafür danke ich euch, die ihr mein Zeugs last und die ihr mich mit euren Zwitschereien erfreutet!

    Niemals geht man so ganz: mein Profil werde ich vorläufig nicht löschen, vielleicht kehrt ja die Zwitscherlust irgendwann zurück. Und vielleicht sind dann noch ein paar Follower da. Das würde mich freuen. Bis dahin!

  • Alle Jahre wieder

    Blüte

    Da über die Kirschblüte in der Inneren Nordstadt zu Bonn nun so ziemlich alles wesentliche gesagt, geschrieben und vor allem fotografiert worden ist, verweise ich der Einfachheit halber auf meine diesbezüglichen Betrachtungen im vergangenen Jahr. Oder schauen Sie einfach hier:
    http://bundesstadt.com/orte/in-voller-bluete/#more-1249

  • Zu laut

    Einst riefen Sie die Gläubigen zur heiligen Messe, heute werden Sie zunehmend als Lärmbelästigung empfunden: Kirchenglocken. Nach massiven Beschwerden zweier Innenstadt-Bewohner über das sonntägliche Läuten des Bonner Münsters und der Kreuzkirche hat der Rat der ohnehin lärmgeplagten Stadt Bonn reagiert und in seiner letzten Sitzung eine neue Verordnung zum Läuten von Kirchenglocken beschlossen. Bei Schallmessungen auf dem Münsterplatz, in der Remigiusstraße und im Kaufhof-Restaurant wurden Werte von bis zu sechzig Dezibel ermittelt, was „etwa dem Lärm von zwanzig Laubbläsern, 1,75 ver.di-Demonstrationen oder vierundfünfzig Rollkoffern auf Kleinpflaster entspricht“, so ein von der Stadt beauftragter Experte.

    Die neue Glockenverordnung tritt bereits zum 1. April 2014 in kraft. Innerhalb einer Übergangsfrist von einem Monat müssen die Kirchen nun Maßnahmen ergreifen, um die von den Glocken ausgehende Geräuschemission zu vermindern. Dies kann durch eine wirksame Schalldämmung der Glockenstühle erfolgen oder durch den Einbau neuer, sogenannter Flüsterglocken, die einen Schlegel aus weichem Kunstoff haben. Kirchtürme, die nach der Übergangsfrist nicht den neuen Richtlinien entsprechen, müssen dann schweigen, auch zu Ostern und Weihnachten.

    Bei den katholischen und evangelischen Kirchen stößt die neue Glockenverordnung auf Unverständnis, Stadtdechant Schumacher ist außer sich: „Seit Jahrhunderten erfreuen unsere Glocken die Herzen der Gläubigen und geben ihnen Orientierung, das soll jetzt nicht mehr möglich sein wegen einiger weniger, die sich daran stören? Was sind das nur für Menschen? Wir lassen uns das Läuten nicht verbieten!“ Auch ein Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz kritisierte die Bonner Glockenverordnung scharf und kündigte an, den Vatikan einzuschalten.

    Im Bonner Rathaus sieht man einer möglichen Rüge aus Rom indes gelassen entgegen. Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch: „Wir leben im Jahr 2014, angesichts zunehmender Kirchenaustritte kann es nicht sein, dass das Recht einiger weniger auf Religionsausübung höher bewertet wird als das allgemeine Ruhebedürfnis, gerade am Sonntagmorgen, wo die werktätige Bevölkerung einmal ausschlafen kann. Wir können da keinen Unterschied mehr machen zwischen Partyschiffen, Klangwellen, Kunst!Rasen und Glockengeläut.“

  • Bären die beißen, brummen nicht

    Die Nächte träumte mir, ich ging des frühen Abends nach Hause, oder woanders hin, in Träumen ist das ja nicht immer so klar, was man gerade tut und warum, dennoch erscheint es in dem Moment, da man träumt, das normalste und logischste von der Welt zu sein. Egal - ich ging also, und auf der anderen Straßenseite gingen ebenfalls zwei Personen männlichen Geschlechts in dieselbe Richtung wie ich; der erste führte ein Tier an der Leine, dessen Spezies ich nicht erinnere, vielleicht ein Luchs oder Pony, jedenfalls kein handelsübliches Haustier wie Deutscher Schäferhund oder Goldhamster; der zweite lief mit etwas Abstand dahinter mit zwei auffallend kleinen Bären an der Leine, nicht größer als Dackel. Möglicherweise gehörten sie allesamt einem Zirkus an.

    (Aus Gründen der Dramatik erlaube ich mir nun, ins Präsens zu wechseln, für gewöhnlich erlebt man einen Traum ja auch in der Gegenwart, sehr selten nur im Präteritum oder Futur zwei.)

    Ihnen kommt ein Mann entgegen, der auffallend an Hans Maulwurf erinnert, diesen Pechvogel bei den Simpsons, dem ständig so Sachen passieren wie in Gullys zu fallen oder von Straßenwalzen überrollt zu werden, mit einem kleinen Hund an der Leine. Als sie dem Typen mit dem Miniaturbären (inzwischen ist es nur noch einer, der andere fiel wohl der Traumdramaturgie zum Opfer) begegnen, tut der Hund das, was kleine dumme Hunde gerne tun, wenn sie eine andere vierbeinige Kreatur erblicken: er kläfft den Bären an. Ich denke: „Du kleiner dummer Hund, das überlebst du nicht.“ Wie richtig ich mit dieser Einschätzung liege, zeigt sich umgehend: Der Bär gibt keinen Laut von sich, weder brummt er, noch macht er „mööp“ wie früher mein Teddybär, wenn ich ihn auf den Bauch drehte und wieder zurück; stattdessen verbeißt er sich in den Kläffer, der nun herzzerreißend winselt, vielleicht ahnend, dass es sich für ihn ausgekläfft hat. Der Bärenbändiger schreit auf sein Tier ein, was dieses jedoch nicht beeindruckt, und Hans Maulwurf hat sich inzwischen in ein kleines Mädchen verwandelt, welches ebenfalls schreit und weint. Es tut mir leid, vielleicht hat es den Hund gerade erst zum Geburtstag bekommen, oder er gehört der kranken Nachbarin, der es jeden Tag einen Gefallen tut, indem es mit dem Hund rausgeht und dafür Münzen oder Schokolade erhält.

    Plötzlich dringt durch das Schreien, Weinen und Winseln ein entsetzliches Knacken von Knochen, das Winseln verstummt und der Kleinbär lässt von dem Hund ab, auf dem Gehweg eine Blutlache. Ich mache derweil, was Menschen üblicherweise tun, wenn eine Situation eine gewisse Sensation bietet, ohne dass ihr persönliche Betroffenheit innewohnt: Ich schaue hin, verlangsame meinen Schritt, bleibe jedoch nicht stehen, um nicht genötigt zu werden, einzugreifen, gehöre ich doch zu der Sorte Menschen, die das Knacken von Knochen nicht zu ihren Lieblingsgeräuschen zählen, schon gar nicht, wenn es vom eigenen Mittelhand- oder Unterarmknochen herrührt. Im Weggehen frage ich mich, wie das arme Mädchen jetzt wohl die blutigen Hundereste nach Hause bekommt, dann wache ich auf, das grauenvolle Knacken noch im Ohr, welches mich längere Zeit schaudernd wach hält.

    Und die Moral von der Geschichte? Keine, jedenfalls keine für mich erkennbare, außer vielleicht, dass Hunde und Bären nicht harmonieren. Sollte Traumdeutung zu Ihren Hobbys zählen, wäre ich für Hinweise sehr dankbar.

  • Goldig

    Spätestens als der Mensch des aufrechten Gehens mächtig war, begann er zu streiten - vermutlich schon lange vorher. Beliebte Konfliktgegenstände waren und sind bis heute Grenzen des Territoriums und der Jagdgründe, Gelegenheiten der Genstreuung, Religionsfragen aller Art und über den Gartenzaun hinaus hängende Äste, um nur einige typische Beispiele zu nennen.

    Doch streiten nicht nur Menschen aus Fleisch und Falten, sondern auch Firmen. Aktuelles Beispiel: der Goldbärendisput zwischen Haribo und Lindt. Während die bunten Gummigesellen vom Rhein seit mindestens zweihundert Jahren nicht nur Erwachsene froh machen, erdreistet sich seit kurzem die Schweizer Schokoladenmanufaktur, die zu Ostern nicht veräußerten Hasen einzuschmelzen und sie ganzjährig in einer bärenähnlichen Gestalt anzubieten behufs des Zweckes, die völlig überflüssigen Metallglöckchen loszuwerden, die sie vor Jahren in millionenfacher Anzahl aus China beschafft haben.

    Das finden die Bonner Zuckerzocker doof, deshalb haben sie den Schokoladenschöpfer millionenschwer verklagt, wegen der Verwechselungsgefahr. Das leuchtet unmittelbar ein. Wer kennt das nicht: Plötzlicher Appetit auf Gurkensalat treibt einen in den Supermarkt seines Vertrauens zwecks käuflichen Erwerbs einer Salatgurke. Erst Stunden später, vom merkwürdigen Geschmack der Zubereitung geweckt, bemerkt man seinen folgenschweren Irrtum - legte man doch statt der Gurke eine Banane in den Warenkorb, was nicht weiter verwundert ob der ähnlichen länglich-gekrümmten Form. Oder eine Geflügelfleischwurst.

    Unterdessen wurde bekannt, dass der bekannte Goldgießer Degussa plant, künftig Goldnuggets in Bärenform zu gießen, um der begehrten Zielgruppe der 14- bis 29-jährigen die Attraktivität dieser Anlageform schmackhaft zu machen; noch immer fließt viel zu viel Geld in Klingeltöne und mp3-Dateien, welche der Vermögensbildung und Altersvorsorge nur unzureichend dienlich sind. Wie ein Degussa-Sprecher ankündigte, werde man Klagen gegen Haribo und Lindt in Kürze einreichen: die Verwechselungsgefahr zwischen Edelmetall und Naschwerk sei immens und nicht hinnehmbar. „Wo Gold drauf steht, muss auch Gold drin sein“, so der Sprecher.

    Wie aus gewöhnlich gut informierten Kreisen bekannt wurde, befinden sich Klagen gegen die Brauerei Beck’s (Beck’s Gold), Pokémon (Goldene Edition), Nescafé Gold, die Homann Feinkost GmbH (HomaGold), Golden Toast, die Gerlach GmbH (Goldgeist forte), Till Schweiger (Schweigen ist Gold), die Bundesrepublik Deutschland (schwarz-rot-gold) und Max Goldt bereits in Vorbereitung.

  • Die Woche 11 in Bildern

    Hier ein paar fotografische Eindrücke der zurückliegenden Woche.

    Am Dienstagmorgen war es nebelig, nicht nur in der Kurt-Schumacher-Straße. Wie Sie sehen, brennt in meinem Büro noch kein Licht, gleich aber:
    KW11-01

    Am Freitagmorgen war es noch etwas dunstig:
    KW11-03

    Laut Wetterbericht sollte es mit dem Frühlingswetter seit gestern erstmal vorbei sein. Dafür war es heute erstaunlich schön. Der Rhein hat Durst:
    KW11-05

    Konsumkritik:
    KW11-04

    Beton-Tristesse im Bonner Norden:
    KW11-06

    Frühling in der Georgstraße:
    KW11-07

    Magnolienblüte in der Paulstraße:
    KW11-08

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