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  • Meeting Minutes: Verbale Hohlraumversiegelung - 11. Fortschreibung

    Grauen11

    Aus mir unerklärlichen Gründen verirrten sich in der vergangenen Woche viele Menschen auf mein Blog, besonders die Liste des Grauens schien es den derart verirrten angetan zu haben, jedenfalls erreichten mich dazu zahlreiche Kommentare und Ergänzungsvorschläge. Hierfür bedanke ich mich ganz herzlich! Da zudem das Zettelchen inzwischen beidseitig vollgeschrieben ist, erscheint es mir an der Zeit, die Liste mal wieder fortzuschreiben. Die neuen Einträge finden Sie ab der Nummer 244, aber auch die älteren wurden teilweise überarbeitet - es lohnt sich also, die ganze Liste zu lesen. Quasi lohnenswert sozusagen.

    ***

    1.) "Okay..." mit anhebender Stimmmodulation auf der zweiten Silbe. Mein absoluter Spitzenreiter.
    1a) "Okodoki" - die kleine, nicht minder schlimme Schwester von 1.)
    2.) "Gesundheit!" Verdammt, lasst mich doch einfach in Ruhe niesen!
    3.) "Geht das zusammen oder getrennt?"
    4.) "nicht wirklich"
    5.) "Wir müssen die Leute mit ins Boot holen"
    6.) "Wir müssen die Leute abholen"
    7.) "Da bin ich ganz bei dir/Ihnen"
    8.) "Da bin ich fine mit" (oder "fein"?)
    9.) "Gerne!" als Antwort auf "Danke"
    10.) "Mahlzeit!" - der Klassiker.
    11.) "Da sind wir gut unterwegs"
    12.) "Da sind wir gut aufgestellt"
    13.) "Kein Thema!"
    14.) "Herausforderung", auch wenn es ein scheiß Problem ist.
    15.) "Halloo...??" mit Empörung vorgebracht, statt "Wie bitte?"
    16.) "Ich freue mich auf..." im Zusammenhang mit geschäftlichen Terminen/Angelegenheiten/was auch immer. Das glaubt ihr doch selbst nicht!
    17.) "Das ist so was von [beliebiges Adjektiv]"
    18.) "Ich sag mal..."
    19.) "Na Urlauber...?" am ersten Tag nach dem Urlaub. Als wenn es nicht so schon schlimm genug wäre, wieder arbeiten zu müssen!
    20.) "Das geht g a r nicht!" Wirklich nicht.
    21.) "Wie [beliebiges Adjektiv, zumeist jedoch 'geil'] ist d a s denn??"
    22.) "Am Ende des Tages..."
    23.) "Das macht Sinn"
    24.) "Super-GAU", genau so unsinnig wie "das einzigste"
    25.) "Quantensprung". Ich nehme an, 95% derjenigen, die das Wort benutzen, kennen dessen eigentliche Bedeutung nicht.
    26.) "mit Migrationshintergrund" trieft nur so vor politischer Korrektheit.
    27.) "Du, damit habe ich kein Problem." ("Aber bleib mir weg damit!")
    28.) "wünsche ... gehabt zu haben!"
    29.) "Wer mich kennt, weiß, dass ich [blablabla]..." Gerne von Vorständen und ähnlich "wichtigen" Personen genutzt
    30.) "Da müssen wir jetzt Gas geben"
    31.) "Das habe ich auf dem Schirm"
    32.) "spannend" im Zusammenhang mit irgendwelchen halbwichtigen geschäftlichen Angelegenheiten
    33.) "Ich bin im Moment lost"
    34.) "An der Stelle..." als Füllfloskel
    35.) "Und äh..." als Satzeinleitung, vor allem, wenn danach sekundenlang nichts mehr kommt
    36.) "Dafür nicht" als Antwort auf Danke
    37.) "sexy" in geschäftlichen und somit völlig unerotischen Zusammenhängen
    38.) "Wir müssen die Kuh vom Eis holen" (Auch schon gehört: "die Crux vom Eis")
    39.) "Ins offene Messer laufen"
    40.) "Im Tal der Tränen"
    41.) "Da müssen wir Geld in die Hand nehmen"
    42.) "Das Projekt auf die Straße bringen"
    42a) "Die PS auf die Straße bringen"
    43.) "Auf Augenhöhe diskutieren"
    44.) "Erdrutschartiger Sieg" - Journalistenquatsch, ebenso wie
    45.) "Ein Schluck aus der Pulle" und
    46.) "Geld in die Kassen spülen".
    47.) "Lohnenswert" - dieselbe Wortfamilie wie "das einzigste"
    48.) "Yummie" - heißt wohl so viel wie lecker, was bei genauer Betrachtung nicht viel besser ist.
    49.) "Zeitfenster" - bitte geschlossen halten, es zieht.
    50.) "Otto Normalverbraucher", der Schwager von Max Mustermann.
    51.) "Spaß beiseite" - wer das sagt, hat wohl auch sonst nicht viel Freude.
    52.) "Da bin ich leidenschaftslos" und
    53.) "Da bin ich schmerzfrei" - mir tut es verdammt weh.
    54.) "wtf" = "What the fuck". Gerne auf Twitter genutzt, ebenso wie
    55.) "#fail" - ja, mangelhaft!
    56.) "Nennen Sie mal eine Hausnummer." Bitte: 19b, Hinterhaus.
    57.) "Das ist mit mir nicht zu machen." Politikersülze.
    58.) "Wir müssen jetzt unsere Hausaufgaben machen."
    59.) "Ich mache mal den Vorsitz" - beliebter Scherz, wenn nur noch ein Platz an der Stirnseite frei ist
    60.) "... bis der Arzt kommt"
    61.) "Da krieg' isch so'n Hals!"
    62.) "Das haben wir ihnen ins Stammbuch geschrieben."
    63.) "Das stimmen wir bilateral ab."
    64.) "eine undurchsichtige Gemengelage"
    65.) "[beliebiges Substantiv] wird bei uns groß geschrieben." Nicht nur bei euch.
    66.) "Roundabout" klingt ungefähr scheiße.
    67.) "Er/sie erfindet sich immer wieder neu." Beliebte Feuilletonfloskel.
    68.) "Das meint" - meint "das bedeutet" zu bedeuten, tut es aber nicht.
    69.) "Ich speichere mal aus" - klingt nach mentalem Stuhlgang.
    70.) "Wer hat da den Hut auf?"
    71.) "Ich sehe das mehr durch die [...]-Brille."
    72.) "Das ist kein Showstopper."
    73.) "Da werden Pflöcke gesetzt."
    74.) "Das werfen wir denen (= andere Abteilung etc.) über den Zaun."
    75.) "Wir könne hier nicht auf der grünen Wiese planen."
    76.) "Das ist Brot und Butter" - mir vergeht dabei der Appetit.
    77.) "Wer sind hier die Player?" - geht spielen.
    78.) "Das haben wir im Scope."
    79.) "Lach doch mal!" - eher zum Heulen.
    80.) "Topic overflow" - was mag es bedeuten? Für Hinweise wäre ich dankbar.
    81.) "Wir müssen die Anforderung aufbohren."
    82.) "Wir müssen hier ja nicht das Rad neu erfinden."
    83.) "Ich schicke Ihnen mal einen Draft."
    84.) "Das absolut wasserdicht sein". - Hauptsache, ihr seid ganz dicht.
    85.) "Da können wir Honig saugen."
    86.) "nullachtfuffzehn"
    87.) "Wenn wir dieses Fass jetzt aufmachen…" - dann Prost Mahlzeit.
    88.) "Das ist kein Hexenwerk" - was für den Phrasenscheiterhaufen.
    89.) "Umgekehrt wird ein Schuh draus." - Sonst ist es ein Huhcs??
    90.) "Haben wir dafür schon das Go?" - Geht mir weg!
    91.) "Da bekommen wir ein Thema."
    92.) "Ich forwarde Ihnen das mal eben."
    93.) "Da sehe ich uns im Lead."
    94.) "Der Prozess wird noch nicht gelebt."
    95.) "Da muss ich mich erst mal aufschlauen."
    96.) "Das ist so 1990 [oder sonstiges beliebiges Jahr]"
    97.) "Wir sind not amused" - in der Tat wenig amüsant
    98.) "Wie ist das gesettet?"
    99.) "Leg dich wieder hin" am Ende eines Telefonats - ein Klassiker
    100.) "Wir brauchen da eine gute Storyline."
    101.) "Ein absolutes No Go!" - geht wirklich nicht.
    102.) "Ein absolutes Must Have!" - also ich muss das nicht haben.
    103.) "Das ist doch eher ein Nice To Have." - s. Nr. 102
    104.) "Wir sollten dazu eine kurze TelKo machen."
    105.) "Wir sind hier doch nicht bei Wünsch dir was!"
    106.) "Kannst du mich dazu kurz briefen / debriefen?"
    107.) "Sind Sie morgen früh im Office?"
    108.) "O-Saft", "A-Saft" - was für A-Löcher.
    109.) "Das ist kein Dealbreaker". Klingt trotzdem zum Kotzen.
    110.) "Darauf haben wir uns committed."
    111.) "Sie können mich jederzeit anrufen." Ebenso verlogen wie
    112.) "Für Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung."
    113.) "Wir sollten das nicht mit der Gießkanne verteilen."
    114.) "Das ist alles in trockenen Tüchern." Auch gehört: "in grünen Tüchern"
    115.) "Wir können da noch Synergien heben."
    116.) "Wir sollten das zeitnah erledigen."
    117.) "Wir sollten uns nächste Woche noch mal zusammentelefonieren."
    118.) "Wir phonen morgen." Oder "fonen"? Der Duden kennt beides (noch) nicht.
    119.) "Mailen Sie mir einfach einen Zweizeiler."
    120.) "Ich schick Ihnen das mal kommentarlos zu."
    121.) "Da müssen wir wohl eine Sonderlocke drehen."
    122.) "Wir müssen das proaktiv kommunizieren."
    123.) "Nachhaltige Maßnahmen"
    124.) "Wir müssen das frühzeitig eskalieren"
    125.) "Tschö mit Ö" - wie blöd!
    126.) "Ganzheitliche Betrachtung"
    127.) "Sounding Board" - Ja, hat irgendwas mit viel überflüssigem Geräusch zu tun.
    128.) "Das ist nicht in Stein gemeißelt"
    129.) "Haben wir das auf der Agenda?"
    130.) "an" anstelle von "mit", häufig in scheinbar gehobener Gastronomie. Beispiel: "Currywurst an Pommes"
    131.) "Erstellen Sie einen Forecast."
    132.) "Den Ball zuspielen"
    133.) "Ich mache da noch 'ne QS drüber"
    134.) "Handlungsfelder erkennen"
    135.) "zum gegenwärtigen Zeitpunkt" - achtsilbiges Wortschaumgebäck für "jetzt" (1 Silbe)
    136.) "zu keiner Zeit" - viersilbiges Wortschaumgebäck für "nie"
    137.) "Der Plan ist auf Kante genäht"
    138.) "exorbitant"
    139.) "Was sind unsere lessons learned?"
    140.) "Pros & Cons"
    141.) "Da ist noch Spielraum / Luft nach oben" - höfliche Umschreibung von "ziemlich scheiße gelaufen"
    142.) "einen Workaround definieren"
    143.) "erst mal die Füße stillhalten"
    144.) "Das System läuft performant."
    145.) "Das wären ein neues Feature"
    146.) "Trouble shooting"
    147.) "Die Timeline ist sportlich."
    148.) "Das müssen wir noch mal festklopfen."
    149.) "Das ist keine Rocket Science."
    150.) "Sonst fällt uns das auf die Füße."
    151.) "Das ist ein ganz normaler Vorgang." - Umschreibung für: "Wir wissen, dass wir Mist gebaut haben, können das aber nicht zugeben."
    152.) "Das ist eine Blaupause." Nur im Suff zu ertragen.
    153.) "Nicht, dass daraus ein Flächenbrand entsteht."
    154.) "Da haben wir ein Gap."
    155.) "An welcher Stelle ist das Bottleneck?"
    156.) "Das habe ich schon eingetütet."
    157.) "Das machen wir on the fly".
    158.) "Das habe ich schon angetriggert."
    159.) "Kann man das später umswitchen?"
    160.) "Wir werden das ergebnisoffen diskutieren." - uns von unserer Meinung jedoch nicht abbringen lassen.
    161.) "Lösungsorientierter Ansatz" - ja was denn sonst?
    162.) "Walkthrough"
    163.) "Ich habe heute einen harten Anschlag." - eher einen Knall.
    164.) "Wir wollen kein Fingerpointing betreiben." Doch, genau darum geht es, um nichts anderes!
    165.) "Was macht das mit dir?" - Es kotzt mich an.
    166.) "Wir müssen das von allen Seiten beleuchten."
    167.) "Da müssen wir noch mal gegentreten."
    168.) "Guter Hinweis!" - Kurzform für "Sie sind wohl ein ganz Schlauer, was?"
    169.) "Wir fahren hier auf Sicht." - heißt: Wir haben keine Ahnung, was wir hier tun.
    170.) "Das lief völlig geräuschlos."
    171.) "Können wir das umshiften?"
    172.) "Das haben wir uns auf die Fahne geschrieben."
    173.) "Ich habe das in den Stiel gestoßen." - klingt unzüchtig bis schmerzhaft.
    174.) "Wann ist das Kick-Off?"
    175.) "Das machen wir hands on."
    176.) "Was sind die quick wins?"
    177.) "Das ist so Mainstream"
    178.) "Das ist so old school"
    179.) "Was sind dabei die Painpoints?" - das tut weh.
    180.) "Das Projekt ist ongoing."
    181.) "Wie sind wir da gestafft?"
    182.) "Operation am offenen Herzen"
    183.) "Wir müssen die Kuh zum Fliegen bringen" - eher eine Fehlfloskel, aber witzige Vorstellung
    184.) "Ehrlicherweise" - also war alles Bisherige gelogen?
    185.) "Das ist nicht skalierbar."
    186.) "No show" - bleibt mir weg damit
    187.) "Townhall Meeting" - aufgeblähter Begriff für Informationsveranstaltung
    188.) "Welchen Ampelstatus hat das Projekt?"
    189.) "genau" als Füllwort / Satzüberleitung ohne vorangegangene Frage
    190.) "Ich habe das auf dem Radar." - klingt nach geistigem Blindflug
    191.) "... und Co." statt "und so weiter"
    192.) "Einen Tod müssen wir sterben" - aber vorher viel Mist anhören.
    193.) "Das ist 'ne Menge Holz"
    194.) "Da müssen wir ziemlich dicke Bretter bohren" - ja, die vor dem Kopf zuerst.
    195.) "Wir haben den nächsten Meilenstein erreicht"
    196.) "Ich nehme das mal mit."
    197.) "Sie müssen das ganz neu denken!"
    198.) "Schaun mer mal" - in keiner Weise kaiserlich
    199.) "Passt schon" - ich hatte mehr erwartet.
    200.) "Eine rote Linie ist überschritten"
    201.) "Wie man auf Neudeutsch sagt" - darauf folgt garantiert kein deutsches Wort.
    202.) "Wir groß ist das Delta?"
    203.) "Das quantifizieren wir per Augenintegral"
    204.) "Da haben wir kein Issue."
    205.) "Ich habe morgen noch einen Slot frei."
    206.) "Der Drops ist gelutscht."
    207.) "Das ist work in progress."
    208.) "Können Sie mich morgen kurz anteasern?"
    209.) "Da müssen Sie Ihre volle Leistung abrufen!"
    210.) "Können wir uns da mal synchronisieren?"
    211.) "Haken dran."
    212.) "So viel wie nötig, so wenig wie möglich."
    213.) "Diese Lösung ist convenienter."
    214.) "Das ist hier der Enabler."
    215.) "Alles gut?" - nein, gar nicht gut.
    216.) "aka", auch bekannt als 'alias'
    217.) "Der Prozess ist etwas sonderlockig."
    218.) "Ist das all over gelevelt?"
    219.) "Wann ist die Deadline?"
    220.) "Unsere Mitarbeiter sind unser Aushängeschild." Deshalb stehen sie im Regen.
    221.) "All Hands Meeting"
    222.) "Dieses Internet(z)"
    223.) "Was ist da unser Zeithorizont?"
    224.) "Wie händeln wir das?"
    225.) "Du bekommst da noch Input von mir."
    226.) "Wir müssen das endlich durch die Tür bringen". Macht sie am besten hinter euch zu.
    227.) "Das klären wir im Vorfeld."
    228.) "Gibt es dafür ein Benchmark?"
    229.) "Ich erstelle dazu einen One Pager."
    230.) "Hier die Meeting Minutes zu unserem Gespräch."
    231.) "Verzeihung, Freudsche Fehlleistung."
    232.) "Das ist state of the art."
    233.) "Wir sollten dazu einen Proofe of Concept durchführen."
    234.) "Wir fliegen da voll unter dem Radar."
    235.) "Haben Sie das schon angestoßen?"
    236.) "quasi" - an sich nicht schlimm, doch zunehmend eine echte Epidemie.
    237.) "sozusagen" - siehe Nr. 236
    238.) "Da muss ich jetzt mal zwischengrätschen."
    239.) "Notfalls brauchen wir dafür erstmal eine händische Lösung."
    240.) "Ich bin da ambivalent."
    241.) "Jetzt gehts ans Eingemachte."
    242.) "Wir sollten das schon mal vorschattieren."
    243.) "Was sind unsere findings daraus?"
    Neu:
    244.) "Machen Sie mal einen Aufschlag." Da möchte man direkt zuschlagen.
    245.) "Das Argument kaufe ich." Bitte sehr, macht einsfünfundneunzig.
    246.) "Shit happens." Auch wird viel Scheiß geredet.
    247.) "Rüchtüüüg…" - richtig abgedroschen.
    248.) "Reichsbedenkenträger können wir nicht gebrauchen." Leute, die dieses Wort absondern, noch weniger.
    249.) "Das Thema können wir abbinden."
    250.) "Stillstand bedeutet Rückschritt."
    251.) "Never ever!" möchte ich das hören.
    252.) "Machen Sie da mal ein Preisschild dran."
    253.) "Last (but) not least" - ein Klassiker, leider wird es dadurch nicht besser, genau so wie
    254.) "nichtsdestotrotz" - kotz.
    255.) "in Schlagdistanz" - oh ja gerne, komm her!
    256.) "Die Lösung ist quick and dirty."
    257.) "Bitte halten Sie mich im Loop." Im WAS??
    258.) "fyi" - ihr seid ja sooo cool.
    259.) "Ich kriege da keinen Anpack dran."
    260.) "Ich stelle das (an andere Abteilung o.ä.) durch." Und ich drehe durch.
    261.) "schlagmichtot" (statt "was weiß ich"). Wie gerne würde ich!
    262.) "Chapeau!" Genau so überflüssig wie
    263.) "Da gehen wir d'accord"
    264.) "Ja nee…" - was nun, ja oder nein?
    265.) "Das ist der Urschleim." Ekelig.
    266.) "Die Sache fliegt." Siehe auch Nr. 183
    267.) "Das wird kein Kindergeburtstag." Eher Kindergarten.
    268.) "Wir brauchen belastbare Zahlen."
    269.) "Wir nehmen Ihr Anliegen sehr ernst." Floskel für "Sie nerven!"
    270.) "Das Ende der Fahnenstange ist erreicht."
    271.) "Das sehe ich noch nicht." Aber wir müssen es leider hören.
    272.) "Fit wie ein Turnschuh" - Unfug, siehe hier.
    273.) "Auf Wiederschauen." Was soll das sein?
    274.) "Das ist immer eine feste Bank." - nicht sehr vertrauenserweckend.
    275.) "sprich" im Sinne von "das heißt"
    276.) "irgendwie" - der Bruder von "quasi" (Nr. 236) und "sozusagen" (Nr. 237)
    277.) "Ich adressiere das." Siehe auch Nr. 260.
    278.) "Das würde ich sofort unterschreiben."
    279.) "Das ist ganz großes Kino." Nur der Film ist leider scheiße.
    280.) "Das Thema sehe ich bei Ihnen verortet."
    281.) "Nach dem Prinzip ‚slide the elephant‘"
    282.) "Geben Sie mir bitte bis Mittwoch ein Feedback."
    283.) "Das habe ich noch auf dem Zettel." - Mehr ich für heute nicht.

    Das war es für dieses Mal. Wie immer bin ich für Feedback*, sprich Vorschläge und Ergänzungen sehr dankbar. Oder Widerspruch, falls Sie irgendwie nicht d'accord mit der Liste sind - ich nehme das sehr ernst. Auf Wiederschauen.

    ————-
    * Als ich es hier schrieb, merkte ich, dass es in der Liste fehlte, daher als Nr. 282 ergänzt.

  • Stöckchen: Neunzehnhundertachtundachtzig

    Frau serotonic hat ein virtuelles Stöckchen gefangen, mit welchem sie aufgefordert wurde, in ihrem Blog einen Blick zurück auf ihr persönliches Jahr 2003 zu werfen. Da ich das für eine schöne Idee halte, rief ich bereitwillig "hier", als sie sich anschickte, das Stöckchen weiter zu werfen. Und da ich schon ein alter Sack bin und die Stöckchenwerferin das offenbar weiß, wies sie mir das Jahr 1988 zu - ganz schön lange her. Aber nach einem Blick ins Tagebuch und auf diverse Musikkassetten gelingt auch mir dieser Rückblick mühelos. Alsdann:

    Mein Jahr 1988

    Alter: süße 21 Jahre.

    Beziehung: Weit entfernt von einer solchen, dafür verzweifelt auf der Suche. Zeitweise ahnte ich bereits, dass ich möglicherweise in die falsche Richtung schaute, was ich aber ein weiteres Jahr lang mehr oder weniger erfolgreich verdrängte.

    Beruf: Im August beendete ich meinen Vorbereitungsdienst für den "mittleren nichttechnischen Postdienst" und durfte mich nach erfolgreich bestandener Laufbahnprüfung fortan mit der Dienstbezeichnung "Postassistent zur Anstellung" schmücken. Damals war es noch einfach, die Frage "Was machst du beruflich" zu beantworten: Schalterbeamter bei der Deutschen Bundespost.

    Musik: Nichts bestimmtes, dieses Zeug der späten Achtzigerjahre halt. Hier eine repräsentative Auswahl: "Ship Of Fools" von World Party, "Standing On Higher Grounds" von Alan Parsons Projekt, "True Faith" von New Order, "Ayla" von Flash And The Pan, "Never Tear Us Apart" von INXS und "Heart´s Desire" von Gerry Rafferty (B-Seite von "Shipyard Town". Wenn Sie nicht wissen, was eine B-Seite ist, scheuen Sie sich nicht, zu fragen.)

    Haare: Weiß ich nicht mehr genau, leider (oder zum Glück) gibt es von mir so gut wie keine Bilder aus der Zeit. Vermutlich etwas länger als heute. Jedenfalls war es morgens immer ein Kampf mit Geltube und Fön, den ich meist verlor - selten lagen sie so, wie ich es gerne gehabt hätte.

    Aufenthaltsort: Bielefeld-Stieghorst, in meinem Elternhaus, inklusive Verpflegung und Wäscheservice gegen ein geringes monatliches Entgelt, welches "Kostgeld" genannt wurde. Bis zur ersten eigenen Wohnung sollten noch fünf Jahre vergehen, auch wäre daran mit meinem schmalen Jungbeamtensalär 1988 noch gar nicht zu denken gewesen.

    Fazit: Insgesamt war 1988 kein schlechtes Jahr für mich, jedoch liegt es mir fern, mich in jene Zeit zurück zu sehnen. Früher war nicht alles besser, nur vieles anders.

    Wenn Sie nun auch das Stöckchen fangen wollen - die Adresse finden Sie oben.

  • Über Glück, Überraschungen und ein Klärwerk

    Es heißt, Laufen lasse Glückshormone summen, jedenfalls nach einer längeren Strecke. Wahrscheinlich ist meine Laufstrecke zu kurz für derartige Empfindungen. Ja, es macht schon Spaß, aber Glücksgefühle, so wie als Kind, wenn das Christkind das ersehnte blaue Fahrrad gebracht hatte? Zittern vor Glück ob des Bewegungsrausches? Ich hatte übrigens tatsächlich als Kind ein blaues Fahrrad, so ein schwerfälliges Klapprad mit Rücktrittbremse und ohne Gangschaltung, jedoch bekam ich es zum Geburtstag statt zu Weihnachten; es brachte auch nicht der 'Geburtstagsmann' (dessen Existenz man mir in frühen Jahren tatsächlich glaubhaft zu machen suchte, als Pendant zum allseits bekannten und von mir lange nicht in Frage gestellten Weihnachtsmann), sondern meine Eltern kauften es in meinem Beisein im Bielefelder Quelle-Kaufhaus, ohne jedes Überraschungsbrimborium. Ja, das gab es wirklich mal: Quelle-Kaufhäuser. Heute gibt es nicht mal mehr Quelle. Bielefeld hingegen schon, entgegen anderslautenden, einem zweifelhaften Humor entsprungenen Behauptungen. Interessanterweise hat Bielefeld sogar einen Stadtteil namens Quelle, Postleitzahl 33649. Na gut, so interessant ist das nun auch wieder nicht.

    Apropos Geburtstagsüberraschung: Ich bin meinen Mitmenschen aus tiefstem Herzen dankbar, dass sie mich noch nie mit einer Überraschungsparty zu beglücken sich verpflichtet fühlten, denn das erscheint mir als eine der missglücktesten Gutgemeintheiten. Du kommst nach einem langen Arbeitstag, an dem du dich gegenüber kollegial-persönlichen, telefonischen und auf allen denkbaren elektronischen Medien überbrachten Glückwünschen dankbar zeigtest, endlich mit einer angenehmen Müdigkeit nach Hause, freust dich auf Sofa, Porno und Wein, hast die Schuhe noch nicht aus, schon klingelt es und eine Meute fällt ungefragt in deine Wohnung, bringt CDs von Lady Gaga und Helene Fischer, Olivenöl und Balsamico-Essig in aufwändig verpackten Flaschen, Chips, Dosenbier sowie jede Menge guter Laune, während deine eigene sich schlagartig verzieht, durch das Fenster oder die Lüftung deines fensterlosen Klos. Ehe sie dein Sofa und die Küche in Beschlag nehmen, vollkleckern und in Rauch hüllen, grölen sie "Happy Birthday", wobei sie den hohen Ton im dritten "Happy Birthday" nicht treffen, derweil dein gequältes Grinsen dein Missfallen nur unzureichend zu verbergen vermag. Lieber keine Freunde als solche.

    Nein, so richtige Glücksgefühle kommen mir selten beim Laufen. Wenn mein iPod "This Corrosion" von den Sisters Of Mercy oder "Down Among The Dead Man" von Flash And The Pan spielt, dann beglückt mich das schon etwas, weil diese beiden Lieder und ein paar andere zufällig denselben Takt aufweisen wie mein Laufschritt, das fühlt sich dann so ein bisschen wie Tanzen an, was ja auch irgendwie glücklich machen kann, aber nicht unbedingt muss: Mit fünfzehn zwangen mich meine Eltern in eine Tanzschule, weil das zu der Zeit angeblich alle machten. Ich hasste es und brach nach dem Grundkurs angewidert ab. Gut so, denn das dort vergeblich zu erlernen angestrebte habe ich seitdem nie gebraucht beziehungsweise verstand es, angetragene Paartanzwünsche freundlich aber bestimmt abzulehnen. Nur einmal, auf meiner Hochzeit, da musste ich. Die Feier wurde trotzdem noch ganz schön.

    Manchmal begleiten mich beim Laufen statt Glücksrausch merkwürdige Gedanken: Eine meiner regelmäßigen Laufstrecken führt an den Rhein, unter der Nordbrücke hindurch bis zum Hafen, dann eine Schleife um das Klärwerk und wieder am Rhein entlang zurück, deshalb bezeichne ich diese Strecke als ‚Hafenschleife‘, wenn ich den Lauf abends in meinem Tagebuch dokumentiere (in Abgrenzung zur 'Nord-', 'Süd-' und 'großen Brückenrunde' sowie zur 'kleinen', 'mittleren' und 'großen Rheinauenschleife' - nicht so wichtig). Dabei wäre hier 'Klärwerkschleife' zutreffender, doch will man wirklich die Begriffe 'Hafen' und 'Klärwerk' gleich-, das eine gar durch das andere ersetzen? Man stelle sich vor, Lale Andersen hätte dergleichen getan in ihrem weltberühmten Schlager "Ein Schiff wird kommen" ("Ich bin ein Mädchen aus Piräus und liebe den Hafen, die Schiffe und das Meer..."). Auch der sprichwörtliche Hafen der Ehe verlöre erheblich an Reiz. Obwohl - so mancher soll ja nach zwanzig Ehejahren einen spürbaren Klärungsprozess durchlaufen haben.

    Ich sollte vielleicht weiter und länger laufen.

  • Ausgedachtes: Noch einmal Sommer

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    Angesichts des schönen Spätsommerwetters, welches uns dieses Wochenende vergoldete, erinnerte ich mich einer Geschichte, die ich bereits vor längerer Zeit schrieb. Hier das erste Kapitel. Ich wünsche viel Vergnügen!

    ***

    An diesem Samstag schien der Herbst eine Pause einzulegen und dem Sommer einen letzten Auftritt zu gewähren: Die Sonne strahlte vom wolkenlosen Himmel und ließ das Laub der Straßenbäume gelb leuchten, das Thermometer am Küchenfenster zeigte schon vormittags vierundzwanzig Grad, und die Menschen in der Stadt zeigten sich noch einmal in kurzen Hosen und Röcken, T-Shirts und Sandalen, die sie längst für den nächsten Sommer in ihren Schränken verstaut hatten, ließen noch einmal, vielleicht zum letzten Mal in diesem Jahr, die Sonne an die schon wieder bleiche Haut.

    Schon morgens, als er die Tageszeitung und die Post aus dem Briefkasten holte, war Günther Aschheim der Kastenwagen mit der Beschriftung eines bekannten Autovermieters aufgefallen, der vor dem Haus nebenan stand, die geöffneten Heckklappen gaben den Blick frei auf Möbel, Kartons und anderen Hausrat, vier Jungs im Studentenalter schleppten die Sachen ins Haus. Kein ungewöhnlicher Anblick, das Haus war überwiegend von Studenten bewohnt, die Bewohner wechselten häufig. Nur der alte Herr Bruchsal, dem das Haus gehörte, wohnte seit eh und je dort, Hochparterre links, und würde es wohl bis an sein Lebensende tun, ein eigenartiger, doch stets gut gelaunter Kauz, seit vielen Jahren verwitwet, das Zusammenwohnen mit den jungen Leuten schien auch ihn jung zu halten, zudem konnte er von den Mieteinnahmen offenbar gut leben; das Einsammeln von Pfandflaschen aus den öffentlichen Papierkörben, bei dem man ihn regelmäßig beobachten konnte, war wohl mehr Marotte als Notwendigkeit.

    Aschheim war um kurz nach sieben wach und sofort aufgestanden, so wie fast vierzig Jahre lang, als er jeden Morgen zur Universität ging, daran hatte sich seit seinem Ruhestand nichts geändert. Erika, seine Frau, war gerne immer noch ein bis zwei Stunden liegen geblieben. Aschheim bereitete ihnen dann das Frühstück, holte Brötchen, kochte Kaffee und las in der Zeitung, bis Erika aus dem Bad kam. Er genoss diese ruhige Stunde morgens, alleine, in der er mit niemandem sprechen musste.

    Seine Arbeit, die dem Tag Struktur gab, fehlte ihm sehr, und das Gefühl, als Größe in seinem Fachgebiet der Chemie anerkannt zu sein, gefragt zu werden. Vor allem aber vermisste er die jungen Leute, die Studenten, die seine Vorlesungen besucht hatten, die Doktoranden, die er betreute - er war beliebt und begehrt als Dozent und Doktorvater, das wusste er, noch heute hielt er Kontakt zu mehreren seiner ehemaligen Doktoranden, die längst selbst an Hochschulen lehrten oder sich in gehobenen Positionen großer Chemiekonzernen befanden; wenn sich einer von ihnen bei ihm meldete, sei es, weil er Rat suchte, oder nur, um den Kontakt zu pflegen, spürte Aschheim etwas in ihm aufblühen.

    Seit vier Jahren war er nun raus aus dem aktiven Unibetrieb, hielt sich jedoch über das Internet fachlich auf dem Laufenden, betreute eine Zeit lang noch einige Forschungsprojekte und veröffentlichte hin und wieder Artikel in Fachzeitschriften, auch hielt er noch ein paar wenige Vorlesungen als Gastdozent, doch je länger er raus war, desto weniger Anfragen kamen. Das Buchprojekt „Chemie im Alltag“, das er begonnen hatte, kam nicht so recht voran, er spürte, wie seine Energie nachließ, und das beunruhigte ihn. Nein, er wollte noch kein altes Eisen, Schrott sein, fühlte sich noch nicht wie ein Rentner, der die Vorzüge und Bequemlichkeiten des Ruhestandes genoss.

    Bis zu ihrer Trennung ging es ihnen gut, sie waren gesund, abgesehen von den üblichen Verschleißerscheinungen und ein paar nicht erstzunehmenden Wehwehchen, das Haus war längst abbezahlt, ebenso das Ferienhaus auf Gran Canaria, und zu seinen nicht gerade schmalen Pensionsbezügen kamen noch die Honorare, die Erika für ihre Tätigkeit als Klavierlehrerin an der Jugendmusikschule und ihre Publikationen über Johannes Brahms bekam. Ihren Beruf als Lehrerin am Gymnasium hatte sie schon vor Jahren aufgegeben, weil ihr irgendwann die Kraft fehlte, zwischen renitenten Schülern, statusbesessenen Eltern und der Schulverwaltung zerrieben zu werden. Stattdessen arbeitete sie nun freiberuflich, gab dreimal die Woche Klavierunterricht und konnte bereits mehrere Artikel in Fachzeitschriften und Magazinen platzieren, ihr Buch über Brahms verkaufte sich gut, auch für den WDR war sie schon tätig.

    Ihre Kinder, Felix, der ältere, und Katja hatten das Elternhaus längst verlassen, waren verheiratet und hatten selbst Kinder, Felix arbeitete als Personalreferent bei einem großen Unternehmen in Hamburg, Katja als Anwältin in Leipzig. Sie konnten stolz auf die beiden sein, und waren es auch. Und dass sie sich außer zu Weihnachten sonst nur noch unregelmäßig, vielleicht vier- oder fünfmal im Jahr, sahen, damit hatten sie sich abgefunden, das war eben so.

    ***

    Zum Gesamtwerk bitte hier entlang: http://www.netnovela.de/noch-einmal-sommer#.VFZXPocYmlV

  • Rote Stunde

    Heute machte ich zeitig Feierabend und ging, einem spontanen Entschluss folgend, zu Fuß nach Hause. Das war eine gute Entscheidung.

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  • Geißel der Menschheit

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    Ich bin wohl der letzte, der sich öffentlich zum Weltgeschehen äußern sollte. Weder habe ich die Bankenkrise verstanden, noch könnte ich erklären, wer aus welchem Grund gerade in Syrien, Irak, Libyen, Ägypten, Afghanistan, Israel oder der Ukraine gegen wen kämpft, und warum Deutschland dazu den einen Waffen liefert und den anderen nicht; ich durchblicke ja nicht einmal das Sitzplatznummerierungssystem der Bahn.

    Dennoch, auch auf die Gefahr hin, dass man mich ob meiner vereinfachten, undifferenzierten Sichtweise einen naiven Idioten schilt, behaupte ich, ja bin ich aus tiefstem Herzen überzeugt: Die größte Geißel der Menschheit sind nicht Krankheiten, nicht Naturkatastrophen und auch nicht mobile Datengeräte. Des Menschen größte Geißel sind und waren Religionen, egal wen sie preisen und wie sie sich nennen. Und dazu muss ich gar nicht so weit wie in die vorgenannten Länder schauen.

  • Sommertag

    Heute war möglicherweise der letzte spätsommerliche Tag in diesem Jahr, wer weiß das schon so genau. Das heißt: zum letzten Mal Temperaturen über 20 Grad, zum letzten Mal Biergarten, Menschen in kurzen Hosen und Ende der Grillsaison (während ich diese Zeilen schreibe, hüllt eine dunkle Qualmwolke von unserem Balkon aus die Innere Nordstadt ein, Verzeihung liebe Nachbarn, kommt so bald nicht wieder vor!)

    Ob des schönen Wetters waren wir draußen, wo es wieder manches zu sehen und knipsen gab:

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  • Panico

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    Lieber Beueler Gastwirt,

    letzten Mittwoch ließen Sie meiner lieben Kollegin S. in ungelenken Worten eine Nachricht zukommen, in der Sie sie darum baten, nicht länger ihr Lieblingsitaliener sein zu müssen:

    „Liebe S.
    habe eine schlechte Nachricht ich weiß das du demnächst oder schon da bist in Afrika seit da wir grosse angst haben von ebola möchten wir jeglichen Kontakt zu Personen vermeiden die nach Afrika fliegen es ist wirklich kein Spaß wir bitten aus angst unser Restaurant zu vermeiden und unsere grosse sorge zu akzeptieren wir haben alle diese Entscheidung nicht einfach treffen möchten aber da wir wirklich grosse sorge haben was dieses Thema angeht möchte n wir das ihr bitte Rücksicht nimmt es ist vielleicht für euch nichts besorgniserregend aber für uns ja ich Bitte deshalb unsere Entscheidung zu akzeptierten da wir angst vor ebola haben und unser Restaurant vermeidet wir möchten euch alles gute wünschen und bitte nicht persönlich nehmen das wir den persönlichen Kontakt vermeiden
    mit freundlichen grüßen … “

    Hm - solche Formulierungen kennen wir vor allem aus Spammails, die uns beispielsweise nach Zahlung einer Gebühr von nur wenigen tausend Euro die Überweisung eines Millionenbetrages in Aussicht stellen oder uns über die Vorzüge einer Penisvergrößerung zu überzeugen suchen. Indes, die Rückfrage von S. , die tatsächlich eine Woche zuvor aus Tansania zurückgekehrt war, wo sie zusammen mit ihrem Mann den Kilimandscharo bestiegen hatte, ergab: Das war kein Spam, das haben tatsächlich Sie geschrieben. Respekt.

    Bitte lassen Sie mich der erste sein, der Ihnen zu dieser weitsichtigen Entscheidung gratuliert. Gerade in der Gastronomie ist neben der eigenen auch die Gesundheit der Gäste ein hohes Gut, unsere Behörden lassen da bekanntlich und zum Glück nicht mit sich spaßen. Da gilt es, Opfer zu bringen, notfalls auch den Verlust eines Stammgastes, der dafür sicher Verständnis hat und kein Aufhebens daraus macht, indem er zum Beispiel seinen Freunden und Bekannten von Ihrer freundlichen Bitte erzählt, zumal diese, wenn sie klug sind, ebenfalls von ihm Abstand nehmen.

    Aber reicht es wirklich aus, nur Afrikabesucher Ihrer Gaststube zu verweisen? Erste Ebolafälle sind bekanntlich auch in den USA und Spanien aufgetreten, hier erscheint mir Konsequenz angezeigt. Auch ist Ebola nicht die einzige Gefahr, die droht. Daher hier einige Ratschläge, welchen weiteren Personen Sie Ihre Gastfreundschaft umgehend kündigen sollten (sie werden es bestimmt nicht persönlich nehmen):

    Schwule, Bekannte von Schwulen und Leser von Ralf-König-Comics. Aids ist längst noch nicht besiegt.

    Schweinefleischesser, Sparschweinbesitzer und Menschen mit schweinischen Gedanken. Die nächste Schweinegrippewelle kommt bestimmt, H1N1 ist zu unrecht etwas in Vergessenheit geraten.

    Italiener. Man weiß noch nicht genau, was es ist, aber es muss hochansteckend sein. Anders ist nicht zu erklären, warum sie mehrfach Silvio Berlusconi zu ihrem Häuptling wählten und komische Nachrichten an ihre Gäste schreiben.

    Am besten überhaupt alle Menschen - irgendwas hat ja jeder, und wenn es ein erheblicher Dachschaden ist. Vielleicht wäre es überhaupt das beste, Sie machen Ihren Laden zu, setzen sich auf den Arsch an den Po und verdingen sich künftig als Spampoet.

    Mit der Ihnen gebührenden Hochachtung
    Ihr Stancer

    (Name und Anschrift des Lokals sind der Redaktion bekannt)

  • Abgeschrieben: Über was bloggen wir?

    Vor einer Woche war ich auf dem Treffen der Bonner Ironblogger, um das Geld anderer Leute zu versaufen, ich berichtete schon. Dort war des öfteren die Frage zu hören: "Und über was bloggst du so?" Gute Frage, die ich für mich nicht beantworten kann. Weder Mode, Technik- und Internetzeugs, Musik, Sport, Politik, Weltgeschehen, Fotografie, noch Essen und Trinken, meine Familie oder was man sonst noch alles thematisieren kann ist mein Schwerpunkt. Ja, über all das schreibe ich auch, wenn mir gerade was dazu einfällt. Alltägliches und ausgedachtes halt. Eine sehr originelle Antwort fand Stefan: "Ich blogge nicht." Tut er zum Glück aber doch, nämlich genau zur oben gestellten Frage. Mit seiner freundlichen Erlaubnis gebe ich den Text hier wieder:

    ***

    »Und, über was bloggst du so?«

    Die Frage, über was ich blogge, wird mir bei exakt einem sozialen Ereignis gestellt: Wenn die Ironblogger sich treffen. Auch vergangene Woche wieder, mehrfach am Abend. Das Gespräch läuft ungefähr so:

    »Und, über was bloggst du so?«
    »Ich blogge gar nicht.«
    »Hahaha, du bist also zufällig hier und isst einfach auf unsere Kosten mit? Sehr gut!«

    Einige Zeit später, meistens dann, wenn das unangenehme Schweigen einsetzt, wird der zweite Versuch gestartet, um das Gespräch aufrechtzuerhalten. Denn meine erste Antwort war ja ganz offensichtlich nur ein Scherz! Bloggt nicht, ist aber auf einem Ironblogger-Treffen. Hahaha, Spaßvogel!

    »Jetzt mal ehrlich, über was bloggst du denn jetzt?«
    »Ich blogge nicht!«
    »???«

    Und das macht das unangenehme Schweigen oft noch unangenehmer ? wobei ich das gar nicht schlimm finde, denn wenn man sich beim Blind Date auf einem Ironblogger-Treffen das erste Mal unterhält, hat man vielleicht nicht direkt diesen Zugang zueinander. Da entstehen Gesprächslücken. Gar nicht schlimm.

    Dennoch zur Erläuterung: Ich habe wirklich nicht das Gefühl, dass ich blogge. (Ich höre den Chor im Hintergrund: »Wir auch nicht!«) Schon gar nicht über etwas. Und noch weniger so, dass ich benennen könnte, über was genau ich blogge. Stattdessen diszipliniert mich das Ironblogger-Ding einfach dazu, regelmäßig einen Text zu verfassen. Thema offen, Länge offen, Stil offen, Tiefe offen, Zeitpunkt offen, Ergebnis offen. Dieses Blogdings hier, und deshalb heißt es auch so, ist einfach nur der Ort, an dem ich diese Schreibtherapie verfolge; insbesondere, weil ich meine Schreibe bekanntermaßen nicht mag und der Hoffnung bin, dass sich durch die Regelmäßigkeit daran etwas ändert, möglichst zum Besseren. Deshalb: Ich blogge nicht. Ich therapiere hier. Mich.

    Davon abgesehen finde ich die Frage als Gesprächseinstieg, zumal auf einem Ironblogger-Treffen, schon so ein bisschen bescheuert. Klar, wir haben alle diese eine Gemeinsamkeit, deshalb sind wir ja vor Ort. Aber man kann doch über das Essen reden oder was man am Tag so erlebt hat oder was jemand sonst so beruflich oder privat macht. Mit diesen Zusatzinformationen geht man anschließend nach Hause und liest im besten Fall das Blogdings der (neuen) Gesprächspartner mit ganz anderen Augen und mit einer neuen inneren Stimme. Darum geht es doch: Den Menschen ein bisschen besser kennenzulernen, dessen Texte man ? ab dann ? regelmäßig liest. Oder auch nicht. Aber wenn das Menschliche passt, ist es auch egal, über was die- oder derjenige bloggt. Und fragen muss ich danach schon gar nicht, ich kann es einfach lesen.

    Quelle: http://hinterlektuelles.wordpress.com/2014/10/06/und-uber-was-bloggst-du-so/

    ***

    Dem ist meinerseits nicht viel hinzuzufügen. Doch, vielleicht eins noch: Sollte ich erklären, was mich zum Bloggen antreibt, so könnte ich es nicht genau sagen. Klar, die pure Freude am Schreiben, vielleicht auch, wie bei Stefan, gewisse therapeutische Motive. Ich kann nur mit großer Sicherheit sagen, was es nicht ist: das Verlangen nach Klicks und "Likes", zumal Blog.de sowas gar nicht anbietet; verhallt ein von mir für gelungen gehaltener Text (das kommt vor) ohne jegliche Reaktion im virtuellen Raum, so beugt mich nicht der Gram, mein Kopfkissen bleibt in der Nacht vor Tränen verschont. Na gut, über einen Kommentar freue ich mich schon. Oder wenn jemand, wie auf dem Ironbloggertreffen geschehen, zu mir sagt: "Ich lese dein Blog wirklich gerne." Das geht dann runter wie Oktoberfestbier.

  • Über schiefe Bilder

    Neulich war zu vernehmen, dass Peter Maffay einen höheren runden Geburtstag zu feiern wusste, wie hoch genau, erinnere ich mich nicht, siebzig oder achtzig vielleicht, es erscheint mir nicht sehr wichtig, zumal Tonträger Peter Maffays keinerlei raumeinnehmenden Platz in unserem Wohnzimmerregal für sich beanspruchen. Gut, die Single Es war Sommer hätte ich durchaus gerne, Sie wissen schon: "Ich war sechszehn - und sie einunddreißig..." Woran ich mich jedoch erinnere, ist das althergebrachte und auch in diesem Zusammenhang wieder herangezogene Bild, Herr Maffay sei noch immer "fit wie ein Turnschuh".

    Ob das gut oder schlecht für ihn ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Zunächst stellt sich die Frage: gibt es das überhaupt noch, Turnschuhe? Turnschuhe waren früher das, was man morgens in einen von Mutti selbstgenähten Stoffbeutel packte und mit zur Schule nahm, um darin später zusammen mit den anderen Kindern zu erniedrigenden Ballspielen wie Völkerball oder Turnübungen gezwungen zu werden; noch heute befällt mich beim Anblick von Turnhallen und Sportplätzen ein tiefes Unbehagen, woran sich wohl bis zum hoffentlich noch fernen Ende meiner Tage nichts mehr ändern wird. Auch Turnschuhminister gab es schon, wobei sich deren Kompetenzbereich - so fern dieser Begriff in diesem Zusammenhang angezeigt ist - nicht zwingend auf den Schulsport oder überhaupt irgendeine Art körperlicher Aktivität erstreckte.

    Betritt man heute ein Sportfachgeschäft, so trifft man dort auf Sneaker, Lifestyleschuhe (ein Wort zum Grausen) sowie spezielle Schuhe für alle möglichen Arten sportlicher Betätigung: Laufen, Tennis, Fußball, Skateboardfliegen, Basketball, Poolbillard, Schach, Angeln und Halma. Fragte man den jungen, äußerlich durchtrainiert wirkenden Fachverkäufer jedoch nach Turnschuhen, könnte man sich seines mitleidig-irritierten Blickes gewiss sein, eine unschöne Situation für beide Seiten, daher fragt man besser nicht.

    Ein Turnschuh, so es ihn also noch gibt, kann alles mögliche sein: alt wie Peter Maffay oder neu wie das iPhone 6. Hell wie eine verbotene 100-Watt-Glühbirne oder dunkel wie der Montagmorgen. Leicht wie Chucks oder schwer wie diese Klumpschuhe, die alberne Jugendliche mit noch viel alberneren Mützen vor einiger Zeit gerne trugen. Mühelos ließen sich zahlreiche weitere Eigenschaftspaare finden, die dem Leser erspart seien. Eines jedoch kann ein Turnschuh mit Sicherheit nicht sein: fit. Ohne dieses Wort im Duden, im Oxford Dictionary oder wo auch immer nachgeschlagen zu haben, bedeutet es in etwa so viel wie gesund, körperlich und geistig aktiv und belastbar, alles in allem Eigenschaften, welche Herrn Maffay zu wünschen sind, die auf einen Schuh zu übertragen indes nur schwerlich in Übereinstimmung mit meinem Vorstellungsvermögen zu bringen sind, was an dessen Eingeschränktheit liegen mag. Körperlich und geistig aktive Fußbekleidung käme mir jedenfalls nicht ins Haus.

    Wenn ich lese, Peter Maffay sei "fit wie ein Turnschuh", so erscheint vor meinem geistigen Auge ein alter, ausgetretener Adidas-Schuh mit Löchern an der Seite und abgelöster Sohle, bei dem die rissige Außenhaut großflächig abblättert und dem ein unangenehmer Geruch entströmt. Wahrlich kein Kompliment.

    Journalisten bedienen sich ja gerne altausgetretener, schiefer Bilder. Hat mal wieder ein Sturm gewütet, so ließ er Bäume umknicken "wie Streichhölzer". Das möchte ich gerne mal sehen: jemand versucht, sich im Angesicht einer Windhose eine Zigarette anzünden, und *knacks* muss er sein Vorhaben auf windstillere Zeit verschieben, weil sein Zündholz durch aufgebrachte Luftbewegung zerbrochen wurde.

    Immer wieder hört man Menschen klagen, sie "leiden wie ein Hund". Diese Klage kann man getrost als Jammern auf höchstem Niveau abtun. Schauen Sie sich die Hunde in Ihrer Umgebung an, leiden die? Im Gegenteil, sie werden verhätschelt wie Blagen und bekommen ein Leckerchen verabreicht, wenn sie ihr Geschäft brav auf dem Gehweg oder in anderer Leute Vorgärten erledigt haben. Die einzigen Hunde, deren Leid ich vorbehaltlos anerkenne, sind Möpse, zum einen weil sie konstuktionsbedingt mit ständigen Atembeschwerden zu kämpfen haben und zum anderen, weil sie so unglaublich scheiße aussehen. Vermutlich bedingt das eine hier das andere: offenbarte mir mein Spiegelbild so ein Mopsgesicht, bliebe mir auch die Luft weg. Möglicherweise entgeht die Rasse nur deshalb dem Schamestod, weil ihre Angehörigen selten ihres Antlitzes angesichtig werden, sind doch die meisten Spiegel sind weit über Mopsniveau angebracht. Ja, wenn irgendwer Grund zur Klage hat, dann Möpse. Dagegen erscheint fit wie ein Turnschuh als ein vergleichsweise erträgliches Schicksal.

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