szmmctag

  • Abgeschrieben: Der kommunikationsfreie Tag

    Schon mehrfach* beklagte ich die Versklavung der Menschheit durch ihre Datengeräte, welche auch mich längst in ihre Ketten gelegt hat. Es ist uns nicht mehr möglich, einfach mal ein paar Minuten lang nichts zu tun: in der Bahn, in der Warteschlange, auf dem Klo. Die Angst, etwas zu verpassen, hat uns fest in ihrem Griff. Doch bin ich nicht alleine mit meinem Unbehagen, mittlerweile warnen Experten sogar vor einer Sucht und raten zur mobilen Mäßigung. Als wenn das so einfach wäre...

    Einer, der die kommunikative Knechtschaft ebenfalls nicht länger als gottgegeben hinnehmen will ist Jannis. Er hat für sich einen "kommunikationsfreien Tag" je Woche beschlossen, worüber er in seinem Blog schmerzwach schreibt. Mit seiner freundlichen Erlaubnis darf ich den Text hier wiedergeben.

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    Ich kann mich noch erinnern, wie ich im Jahre 1997 ohne Mobiltelefon auf einem Musikfestival (Pink Pop in den Niederlanden) unterwegs war und meine Freunde verlor - was schlimmer für sie war als für mich, da ich die Geldbörsen für sie aufbewahrt hatte. Sie hatten von der Bühne springen wollen, stage diven - tja, und obwohl wir einen Treffpunkt für Fälle des Nichtfindenkönnens ausgemacht hatten, klappte das nicht ... Was ich damit sagen möchte: Ich war also sehr spät dran damit, ein Mobiltelefon zu erwerben, sehr viel später sogar, ich glaube, das war 2001 oder 2002. Und ich benutzte es wirklich nicht oft. Auch mit dem Internet am Smartphone war ich sehr, sehr spät dran. Umso erstaunlicher ist nun meine Sucht.
    Es ist kaum zu glauben: Schaue ich zuhause einen Film oder eine Serie, blicke ich ständig auf mein Smartphone, sitze ich in der Bahn das gleiche Spiel, selbst beim Kaffee Trinken mit Freunden, immer, immer wieder muss ich schauen, ob neue Nachrichten, Emails oder whatever ankommen. Und beantworten. Ständig ist irgendwas. Ständig muss ich etwas organisieren, besprechen, posten, liken, faven, retweeten und was es sonst noch alles gibt. Die Frage nach dem Warum ist schon längst nicht mehr die Kernfrage. Es ist eben so. Es ist eine Sucht - und es ist unsere moderne Gesellschaft. Ohne die Schuld von mir selbst weisen zu wollen, es ist nun eben so.
    Nun habe ich diesen "kommunikationsfreien Tag" eingeführt in diesem Jahr. Zum Selbstschutz. Um endlich mal einen Tag GANZ abzuschalten. Kein Social Media, keine Emails, keine Whatsapp, SMS, keine Anrufe. Nicht arbeiten. Einfach nur chillen. Für mich sein.
    Aber es ist schwer. Wirklich schwer. Ich befinde mich in einer Situation, in der ich ständig ein Projekt im Nacken habe, ständig etwas zu tun, immer muss etwas beantwortet und bedacht werden. Es ist eben so. Ich kann nicht aus meiner Haut. Schließlich macht es mir auch großen Spaß! Aber es geht so nicht. Ich brauche mal Abstand, mal einen Tag Kurzurlaub von all dem. Ruhe. Aber ich muss etwas dafür tun. Ich schalte mein Smartphone auf Flugmodus, damit ich den Wecker oder Musik nutzen bzw. hören kann. Doch ich zucke immer wieder, während ich einen schönen Film schaue, möchte herausfinden, ob es etwas Neues gibt. Ich zucke, weil ich zwischendurch an meine Projekte denken muss. Aber nein, an diesem kommunikationsfreien Tag muss ich abschalten, muss ich es aushalten, nichts zu tun! Obwohl ich Zeit habe. Nein, das muss sein. Weil alles viel zu viel ist. Viel zu viel Kommunikation.
    Ich brauche diesen kommunikationsfreien Tag, muss ihn mir aber von mir selbst abtrotzen!

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    Wünschen wir Jannis, dass er die Datendiät durchhält! 

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    Nämlich hier, da und dorten.

  • 10 Fragen zur Nacht

    Vor einiger Zeit las ich zum Thema Eigenmotivation den Vorschlag, man möge ein Glückstagebuch führen. Konkret heißt das, jeden Abend schreibe man drei Dinge auf, die an diesem Tag besonders gut gelaufen sind. Oder man ruft sie sich einfach so ins Bewusstsein, falls man zu faul zum Aufschreiben ist, vielleicht vor dem Einschlafen, nachdem das Licht gelöscht ist und der Schlaf noch ein wenig auf sich warten lässt.

    Die Idee finde ich gut, jedoch unvollständig. Daher habe ich den abendlichen Fragenkatalog erweitert; ihn gedanklich abzuarbeiten erscheint mir sinnvoller und effektiver als Schäfchen zu zählen. Folgende Fragen also stelle ich mir allabendlich:

    1) Was ist heute gut gelaufen, worüber habe ich mich gefreut? (mindestens drei Nennungen)
    2) Was ist heute schlecht gelaufen, was hat mich ärgerlich, wütend oder traurig gemacht?
    3) Wem habe ich heute etwas gutes getan, und was?
    4) Worüber habe ich heute gelacht?
    5) Was habe ich heute zum ersten Mal gemacht?
    6) Welcher Mensch ist mir heute begegnet, der mich beeindruckt hat?
    7) Was hätte ich heute tun sollen? Warum habe ich es nicht getan?
    8) Was hätte ich heute besser nicht getan? Warum habe ich es dennoch getan?
    9) Was war die persönliche Erkenntnis des Tages?
    10) Wie hoch war heute meine allgemeine Zufriedenheit? (1 = schlecht bis 10 = ausgezeichnet)

    Nicht auf jede Frage gibt es an jedem Abend eine konkrete Antwort bzw. sie lautet auch schon mal „nichts“. Meistens scheitert die Beantwortung aller Fragen jedoch daran, dass ich spätestens bei Frage 5 eingeschlafen bin. In diesem Sinne: gute Nacht!

  • Eine Woche in Avignon oder: Aus meinem Leben als Unternehmergattin

    Die vergangene Woche verbrachten wir in Avignon, zuvörderst zum Besuch der Weinmesse découvertes en Vallée du Rhône, aber auch das touristische Programm kam nicht zu kurz, schließlich kann man nicht ununterbrochen Wein saufen. Als Unterkunft hatte uns der Liebste ein kleines Appartement mitten in der Stadt gebucht, von wo aus die Erprobungsstätten fußläufig gut zu erreichen waren, im Falle einer Weinmesse ein ja nicht ganz unwesentlicher Aspekt.
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    Nach unserer Ankunft am frühen Samstagnachmittag trotzten wir der Müdigkeit von der langen Fahrt und ließen uns von der Sonne und den für uns ungewohnt milden Temperaturen nach draußen locken zum ersten Glas Bier, nach welchem wir wunderbar ruhten.

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    Sonntag besuchten wir zunächst den Ort Fontaine de Vaucluse, wo die gleichnamige Quelle des Flüsschens Sorgue deutlich mehr sprudelte, als wir es aus den Sommermonaten kannten, und die Fluten das Tal mit beeindruckendem Rauschen erfüllten. Ansonsten war nicht viel los, die meisten Touristenneppbuden geschlossen.

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    Danach fuhren wir nach Caromb. Da die örtliche Weinhandlung zwar trotz Sonntag geöffnet, wegen der vom Franzosen stets konsequent eingehaltenen Mittagspause jedoch noch etwa eine halbe Stunde geschlossen war, gingen wir zunächst durch den Ort, wo auch nicht viel los war.

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    Über Malaucène, wo wir unser Nachmittagsgetränk zu uns nahmen, fuhren wir zurück nach Avignon.

    Montag machten wir einen Ausflug durch das Vaucluse über Gigondas, Vinsobres, Nyons und Beaume de Venise. Die gewohnten üppigen Farben der Provence wirkten noch recht blass, doch hat auch diese Jahreszeit hier durchaus ihren Reiz, sehen Sie selbst:

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    Dienstag wurde es dann ernst: Die Geschäfte, das heißt die Weinmesse erforderten unsere Anwesenheit im Ort Tain d'Hermitage, etwa 150 Kilometer nördlich von Avignon gelegen, somit leider nicht fußläufig zu erreichen. Aber was nimmt man nicht alles auf sich für einen guten Tropfen... Zur Akkreditierung erhielten wir einen kleinen roten Umhängebeutel, eine Codekarte und ein Weinglas, hiermit waren wir berechtigt, die Hallen der Messe zu betreten und zu probieren, so viel wie wir wollten und - nur theoretisch natürlich - konnten. Der Profi trinkt den probierten Wein übrigens nicht, sondern kaut mit sprudelndem Geräusch darauf herum, um ihn anschließend kunstvoll in scharfem Strahl in bereit stehende Spuckbehälter zu speien, verständlich, sonst käme er nicht weit. So auch der Liebste, zum einen weil er als monsieur importateur der Profi ist, zum anderen, weil er den Wagen wieder heile zurück nach Avignon lenken musste. Mir indes kam in meiner Eigenschaft als Importeursgattin eine eher repräsentativ-dekorative Funktion zu, daher ignorierte ich die Profispucknäpfe. War aber kein Problem, man ist ja im Training.

    Nach dem Mittagsbüffet suchten wir die Edel-Schokoladenmanufaktur Valrhona auf, wo es reichlich Möglichkeit der Verkostung gab und welche wir mit gefülltem Magen, knapp drei Kilo Naschwerk und leicht erwärmter Kreditkarte wieder verließen. Danach fuhren wir noch auf den Berg, der diesem Weinanbaugebiet seinen Namen verleiht und von wo aus man einen schönen Blick auf Ort und Rhone hat.

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    Mittwoch und Donnerstag fand die Messe dann in Avignon im Papstpalast, im Rathaus und dem Petit Louvre statt. Dort waren die Weine der südlichen Cote du Rhône zu verkosten, welche mir mehr zusagen als die aus Hermitage, zudem sind sie preislich wesentlich günstiger. Mittwoch begann dann leider auch der Mistral, welcher in heftigen Böen durch die Straßen blies, aber auch einen strahlend blauen Himmel über der Provence leuchten ließ.

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    Abends waren wir eingeladen - warum, wissen wir selbst nicht so genau - zu einer exklusiven Veranstaltung, bei der es neben edlen Weinen aus Châteauneuf du Pape auch ein verzicktes Büffet gab, unter anderem mit geklammerten Schinkenhäppchen, und das alles für lau.

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    Freitag stand die letzte geschäftliche Fahrt an, sie führte nach Châteauneuf du Pape. Ansonsten ließen wir den Tag und den Abend ruhig angehen. Auch der Mistral hatte sich wieder beruhigt.

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    Samstag fuhren wir mit einem Auto voller Weinkartons, Trüffel und sonstigen französischen Spezereien zurück nach Bonn, außerdem brachten wir den Frühling mit, nichts zu danken, gern geschehen.

    Übrigens: Es macht sich ungerechtfertigter Vorverurteilung schuldig, wer behauptet, der Franzose kommuniziere ausschließlich in seiner eigenen Sprache und lehne jede andere Form der Verständigung kategorisch ab.

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  • Unten, wo die Stute wiehert

    Hinweis: Der nachfolgende Text ist für Jugendliche unter 16 Jahren nur bedingt geeignet, daher habe ich länger* gezögert, ihn zu veröffentlichen. Doch aus gegebenem Anlass scheint mir der rechte Zeitpunkt nun gekommen. Außerdem sind wir hier ja unter uns.

    Da der Mensch heutzutage nicht mehr seine gesamte Zeit dafür aufbringen muss, Nahrung für sich und seine Sippe zu besorgen oder sie gegen übel gesinnte Zeitgenossen und wildes Getier zu beschützen, füllt er die ihm zur Verfügung stehenden freien Stunden mit mehr oder weniger absurden Beschäftigungen: Briefmarken sammeln, Ski fahren, Züge fotografieren, Schuhe kaufen, Fußball gut finden, mobil telefonieren, in komischen grünen Uniformen auf Holzvögel schießen, Bier trinken, Göttern oder dem Internet huldigen, Computerspiele spielen oder überflüssige Texte schreiben, um nur einige Beispiele zu nennen. Als Stancerblog-Leser erhalten Sie heute exklusiv einen Einblick in einen besonders tiefen Abgrund menschlichen Freizeitvergnügens.

    Denkt der Nicht-Rheinländer, zum Beispiel der Japaner, an Köln, so denkt er als erstes an den Dom, dessen zwei markante Türme weithin sichtbar in den Himmel ragen. Doch gilt Köln nicht nur als Heilige Stadt, weil in besagtem Dom irgendwelche angeblich bedeutenden Knochen in einer kitschigen Kiste aufbewahrt werden; in Kreisen männerliebender Männer gilt Köln auch als eine Art Hauptstadt, bietet es doch dem gemeinen Urning mannigfache Möglichkeiten der Vergnügung. Wenn Sie nicht wissen, was ein Urning ist, fragen Sie Google.

    Eine solche frauenfreie Vergnügungsstätte befindet sich am Heumarkt in Sichtweite des Domes, von der ich heute singen und sagen will. Da nicht zu verhindern ist, dass dieser Text auch vor 22 Uhr und von Minderjährigen gelesen wird, bemühe ich mich, explizite Schilderungen kopulativer Handlungen auf das absolut notwendige Maß zu beschränken.

    Zunächst lade ich Sie ein zu einem Rundgang durch die Örtlichkeit - keine Angst, es tut Ihnen niemand etwas, was Sie nicht wollen. Gleich hinter dem Eingang befindet sich eine Art Empfangstheke, wo man seine Jacke hinterlegen kann und - je nach Bedarf und Tagesmotto - weitere Kleidungsstücke, dazu komme ich noch. Danach folgt ein größerer Raum, der von einer Bar ausgefüllt wird.

    Geht man etwas weiter, wird es dunkler. Auf dem Weg zu den (oberen) Toiletten liegen rechter Hand schummrige Nischen, und direkt vor dem Eingang zum Klo steht ein Sofa, auf dem der vom Drang geplagte Mann warten kann, falls wider Erwarten alle Becken besetzt sind, derweil gegenüber dem Sofa auf einem Bildschirm Naturfilme gezeigt werden.

    Eine schmale Treppe führt in das Untergeschoss. Unten angekommen, steht man zunächst in einem kleineren Raum, der einen verschlossenen begehbaren Käfig und eine größere, abwaschbare Sitz- und Liegelandschaft beinhaltet, an der Wand ein Naturfilme zeigender Bildschirm. Von diesem Vorraum aus gelangt der Getriebene zum einen in den unteren Toilettenbereich, wo Mann, wenn er nicht den verschließbaren Kabinen Vorzug gibt, statt in die üblichen Urinale in eine Badewanne pinkelt, zum anderen in den, nennen wir es "Aktionsbereich". Hier ist es noch etwas dunkler, aber immer noch nicht so dunkel, dass man ohne Nachtsichtgerät nichts mehr sieht, und manchmal, gerade in nicht mehr ganz so jungen Jahren, hat eine gewisse Dunkelheit ja durchaus etwas versöhnlich-schmeichelhaftes.

    Die halbdunklen Gänge des Aktionsbereiches führen vorbei an mehren von innen verschließbaren Kabinen und offenen Nischen, in denen teilweise mit Ketten an der Decke befestigte Schaukelelemente in Hüfthöhe angebracht sind, in Fachkreisen als "Sling" bekannt; der linke Gang endet in einer Art Fitnessraum, der rechte in einem fast völlig dunklen, verwinkelten Bereich. Als Service des Hauses liegen überall Kondome und begleitende Schmierstoffe aus.

    Dies soll genügen zur Orientierung, schreiten wir zur Tat. Vor einem Besuch ist es ratsam, sich über das Tagesmotto, insbesondere den Dresscode zu erkundigen. Dieser reicht von no dresscode, also ein Jeder wie er mag, über uniform, worker, business, sportswear, underwear, beachwear bis hin zu naked, also nix außer Schuhe und gegebenenfalls Socken. Es gab aber auch schon regelmäßige Tage mit dem Motto suit or naked, wobei die Anzugträger klar in der Unterzahl waren, kann man ja verstehen, Eiweißflecken im Super-100-Tuch sind wenig erfreulich.

    Wem diese Kombination bereits ein erstauntes WAS?? entlockt, dem sei berichtet von einer ganz besonderen Veranstaltung: dem Stutenmarkt. Hier muss sich der geneigte Besucher zuvor entscheiden, ob er - generell oder jedenfalls für diesen Tag - lieber vorne tätig ist oder hinten tätig sein lässt; erstere sind die ‚Hengste‘, zweitere die ‚Stuten‘.

    Und so läuft es ab: Um 15 Uhr ist Einlass für die ‚Stuten‘. Diese entkleiden sich bis auf Schuhe und bei Bedarf Socken, anschließend bekommen Sie eine Haube aus grobem Sackleinen über den Kopf gezogen, die ihr Gesicht verhüllt, und werden im "Stallbereich" mit den Händen an ein quergespanntes Seil angebunden.

    Eine Stunde später dürfen dann die 'Hengste' eintreten, die keiner besonderen Be- bzw. Entkleidungsvorschrift unterliegen. Dann geht es los. Als 'Hengst' darf man sich eine der angebundenen 'Stuten' aussuchen, wobei es ausdrücklich erlaubt ist, den Kandidaten zum Zwecke der Eignungsfeststellung an allen Stellen zu berühren und befühlen. Hat der 'Hengst' seine vorläufige Auswahl getroffen, bindet der als "Stallmeister" beschäftigte Mitarbeiter des Hauses die Stute los, und es beginnt ein bizarres Schauspiel: Da die 'Stute' aufgrund des Stoffbeutels ja nichts sieht, legt sie ihre Hände auf die Schulter des 'Hengstes'; diese Mikropolonaise zieht nun ab zur nächsten freien Kabine oder einem anderen Ort innerhalb des Lokals, wo man sich in der vorgesehenen Weise vergnügt. Eine leicht exhibitionistische Neigung ist von Vorteil.

    Wichtige Regel: Nach dem Vollzug führt der 'Hengst' die 'Stute' in gleicher Weise zurück zum Stallmeister, wo sie entweder in einem Ruhebereich regenerieren kann oder, so sie bereit ist, gleich wieder angebunden wird für den nächsten Akt.

    Was allen Veranstaltungen - und allen vergleichbaren Lokalen - gemein ist: Die Hauptbeschäftigung besteht nicht etwa aus ungehemmter Unzucht, sondern aus ständigem Herumgerenne auf der Suche nach dem vermeintlich Richtigen, also nicht zum Heiraten sondern nur für das Eine; eher werden Körperflüssigkeiten getauscht als Namen oder gar Adressen, ohnehin wird wenig gesprochen.

    Das ganze ist übrigens vergleichsweise günstig: der Mindestverzehr ist nicht viel teurer als eine Kinokarte. Davon können Hetenmännchen wohl nur träumen. Woher ich das alles weiß? Nun, äh... also der Freund des Bruders eines Kollegen kennt einen, der mal davon gehört hat... Was? So spät schon? Entschuldigen Sie mich, ich muss weg.

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    * etwa drei Minuten

  • Werbung: Rausch. Gold. Bengel.

    RGB

    Wie schon gelegentlich angeklungen, bin ich ein Freund des Gesanges. Mit dieser Neigung bin ich nicht alleine, vielmehr haben sich gleichermaßen betroffene Menschen in Selbsthilfegruppen, so genannten Chören, zusammen gefunden, wo sie gemeinsam den oralen Akkorden huldigen. Ein solcher Chor sind die Kölner SPITZbuben, welchen anzugehören ich mittlerweile im zehnten Jahr das große Vergnügen habe. Doch singen wir nicht nur zu unserem eigenen Pläsier hinter verschlossenen Türen, ab und an treibt uns unser Laster auf die Bühnen dieser Welt, auf dass ein jeder sich daran erfreue. Das nächste Mal am Samstag, 18. April. Und damit wir nicht so verloren herumstehen, haben wir uns Verstärkung geholt: die wunderbaren "Mannenkoorts" aus Den Haag.

    Hier der offizielle Pressetext:

    Hört! Hört!

    Die Kölner Spitzbuben machen zum ersten Mal gemeinsame Sache mit dem herrlichen Doppel-Quartett "Mannenkoorts" aus dem niederländischen Den Haag - und leisten auf ganz persönliche Art einen musikalischen Beitrag zur Völker-Verständigung. Natürlich unter der schwungvollen und stets souveränen Leitung der Chor-Chefin Susanne Bellinghausen.

    Soviel steht fest: Es gibt ein buntes, quicklebendiges Programm auf die Öhrchen! Samba-Rhythmus und Eurythmics. Wollust und Wolle Petry. Rosenberg, Rammstein - und jede Menge kölsche Tööön!

    Die Begegnung der Nationen findet bezeichnenderweise statt im "Belgischen Haus", nicht weit von Neumarkt und Dom. Wann? Samstag, 18.04.2015 - und zwar nur an diesem einzigen Abend! Die Bar öffnet um 19:00 Uhr, der erste Ton erklingt um 20:00 Uhr. Und nach dem Konzert ist noch Party im Foyer...

    Wir freuen uns auf Sie!

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    Hoort! Hoort!

    De Spitzbuben uit Keulen hebben voor het eerst hun krachten gebundeld met het heerlijke dubbel-kwartet "Mannenkoorts" uit Den Haag – en dragen zo op een heel speciale, muzikale manier bij aan de verstandhouding tussen nationaliteiten. Uiteraard onder de bezielende en steeds soevereine leiding van Dirigente Susanne Bellinghausen.

    Een ding is zeker: Er komt een bont en sprankelend programma op u af! Samba rithmes en Eurythmics. Wellustigheid en Wolle Petry. Rosenberg, Rammstein en een hoop "kölsche Tööön"!

    De ontmoeting vindt, hoe kan het anders, plaats in het Belgische Huis, niet ver van de "Neumarkt" en de Dom. Wanneer? Zaterdag 18 april 2015 – en dan ook echt alleen die avond! De bar opent om 19.00 uur en de eerste tonen zullen om 20.00 uur weerklinken. Na het concert is er nog feest in het foyer...

    Wij verheugen ons op u!

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    Wann: Samstag, 18. April 2015, ab 19 Uhr
    Wo:    Belgisches Haus, Köln, Cäcilienstraße 47 (Nähe Neumarkt)
    Was:   Lassen Sie sich überraschen. Wir arbeiten hart daran, dass es schön wird.

  • Bekenntnisse eines ostwestfälischen Nichtkarnevalisten

    Auch wenn es mir schwerfällt, es zuzugeben: so ein ganz kleines bisschen hat es mich dieses Mal erwischt. Dabei war der Plan eigentlich klar, so wie jedes Jahr: Weiberfastnacht in der Firma, bis es Zeit wird zu gehen, das ganze minimal kostümiert: Weste, Hosenträger, alte Krawatte, Mütze, das muss reichen; keine Schminke, Perücke oder gefärbte Haare, keine Pappnase. Freitag den Kater auskurieren, das Wochenende möglichst karnevalsfrei, und Rosenmontag, in unserem Unternehmen schon lange kein arbeitsfreier Tag mehr, ins Büro, die Ruhe genießen (weil ja alle anderen bei irgendwelchen Zügen sind) und nicht zu spät Feierabend machen, was man montags ohnehin nicht tun sollte.

    Der Donnerstag verlief dann auch wie erwartet. Die meisten Mitfahrer morgens in der Bahn waren mehr oder weniger kostümiert, schauten aber ansonsten genauso mürrisch wie jeden Morgen.

    Nach geschäftiger Tätigkeit - Besprechungen im Kostüm fühlen sich albern an - ging es gegen elf rauf zur ersten Flurfete mit Schnitzel, Frikadellen, Wurst, Käse, Berliner, Sekt, Bier und der übliche Musik.

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    Die Stimmung war steigerungsfähig. Vorsichtig probierte ich das erste Bier, und um sicher zu gehen gleich danach das zweite. Meine Krawatte war unversehrt. Gegen zwölf hellte sich die Stimmung auf, endlich erbarmte sich eine Kollegin meiner Krawatte und vollzog das Beschneidungsritual mit einem fetten Schmatzer auf meine linke Wange.

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    Gegen dreizehn Uhr wechselten wir den Ort, ein paar Etagen tiefer feierte der IT-Geschäftsbereich bei dröhnender Musik, die mittlerweile das ganze Gebäude ausfüllte. Der Herr Geschäftsbereichsleiter persönlich lief mit einem Tablett herum und versorgte alle Mitarbeiter kontinuierlich mit frischem Bier, sehr aufmerksam. Ich überdenke meine These, nach der sich die Sozialkompetenz einer Führungskraft umgekehrt proportional verhält zu ihrer Hierarchiestufe. Die Stimmung dort war ausgezeichnet. Praktischerweise befindet sich auf derselben Etage der Raucherbereich.

    Eine Stunde später gings hinunter ins Untergeschoss zur großen, offiziellen Party für alle. Im Partygetümmel traf ich bald auf liebe Kollegen, die Bierversorgung riss nicht ab. Aber auch auf viele reizende Gesichter, die ich teilweise noch niemals vorher gesehen hatte, leider alle nur zur Ansicht, keinerlei Flirtfaktor oder gar Aussicht auf… Sie wissen schon. Ist ja auch nicht ganz undelikat so unter Kollegen. Außerdem bin ich glücklich verh… ach Scheiße, es ist Karneval!

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    Gegen 15 Uhr erreichte mich die Nachricht vom Liebsten, er fahre nach Bad Godesberg und feiere dort mit Freund C. bei der Karnevalsgesellschaft „Die Fidelen Burggrafen“, wo C. aktives Mitglied ist. Viel Spaß, schrieb ich zurück und füllte mein Glas an einem scheinbar herrenlosen Fässchen.

    Kurz nach 18 Uhr reifte in mir die Erkenntnis, genug herumgelaufen zu sein, gequatscht, geraucht, gelacht, gesungen, Bier getrunken und vergeblich taxiert zu haben. Der Partysaal war voll, ich auch. Bevor ich den Überblick völlig verliere oder Dinge zu Führungskräften sage, die ich später bereuen könnte, beschloss ich, den Rückzug anzutreten. Verzehr laut meiner Verzehrkarte: vier Euro zwanzig, das sind zwei Bier. Dann kann es so schlimm ja nicht gewesen sein und meine Orientierungslosigkeit musste eine andere Ursache haben - egal.

    Kurz nach 19 Uhr lag in meinem Bett und schlief bald ein. Gegen 5 Uhr trieben mich Durst und eine gefüllte Blase aus dem Bett. Auf dem Telefon eine Nachricht des Liebsten: Kein Taxi zu bekommen, Übernachtung in Bad Godesberg. Wir sehen uns wohl morgen. „Wohl“ - na das hoffe ich doch sehr. Um halb acht morgens wurde die Wohnungstür aufgeschlossen, der Liebste kehrte heim, seine Stimme ist blieb wohl in Godesberg oder ging unterwegs verloren. Muss gut gewesen sein.

    Freitag und Samstag verliefen ohne erkennbare karnevalistischen Aktivitäten, wobei der befürchtete Kater am Freitag, für den ich mir extra einen Tag Urlaub genommen hatte, wohl besseres zu tun hatte als mich zu kratzen, auch die an solchen Tagen übliche postethanolische Temporärdepression blieb aus, vielleicht wegen des fast frühlingshaften Wetters.

    Dann Sonntag.

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    Auf Anregung unseres schon erwähnten Freundes C. fuhren wir mittags nach Bad Godesberg zum Zoch. Nun sind Karnevalszüge ja so gar nichts für mich, üblicherweise friere ich nach dem zweiten Wagen und langweile mich spätestens nach dem fünften. Zum Frieren bestand angesichts der angenehmen Außentemperaturen kein Grund, und langweilig wurde es auch nicht. Spätestens als die grünen, Verzeihung: fidelen Burggrafen mit diversen Wagen und Fußgruppen durchzogen, wurde es gemütlich. Schon von weitem jubelten die Damen vom Wagen herunter dem Liebsten zu (hat wohl Donnerstag außer der Stimme auch Eindruck hinterlassen), aber auch meiner ihnen bis dahin unbekannten Person schenkten sie eine gewisse Aufmerksamkeit.

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    Nach dem Zoch waren wir zur Party der Burggrafen in der Godesberger Stadthalle eingeladen. Dort angekommen, passierte etwa eine Stunde lang nicht viel, also erstmal Zeit für ein bis zwei Kölsch. Dann ging es los: Die Burggrafen zogen grüngewandet ein, füllten den Saal mit Trommeln, Pfeifen, einem merkwürdigen Balztanz, den sie Stippeföttche nennen, ja und viel guter Stimmung.

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    Innerhalb kurzer Zeit machte ich Bekanntschaft mit zahlreichen wirklich netten Frauen und Männern, ich durfte Hände schütteln, bützen und Bier trinken. Selbst die Ehre der Bekanntschaft mit dem Herrn Präsidenten wurde mir zuteil. Gegen 22 Uhr nahmen wir ein Taxi nach Hause, mein Alkoholpegel befand sich dank der Umsicht, die ich seit Mittag an den Tag gelegt hatte, noch im unbedenklichen Bereich, zumal ich den Montag ja in der behaglichen Ruhe meines Büros zu verbringen beabsichtigte.

    Dies gelang auch einigermaßen problemlos, meine Müdigkeit am nächsten Morgen bewegte sich nur knapp oberhalb des üblichen Montagsniveaus. Nach Feierabend suchte ich kurz die Breite Straße auf, wo sowohl der Bonner Zoch als auch der Liebste und Freund C. in den letzten Zügen lagen. Ein schnelles Bier in der Kälte (da war sie wieder), das war mein Karneval 2015.

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    Mein Fazit: Es war schön. Gut, meine westfälische Distanziertheit gegenüber dem rheinisch verordneten Frohsinn werde ich wohl so schnell nicht überwinden, auch bis zu meinem ersten Besuch einer Karnevalssitzung wird wohl noch viel Wasser den Vater Rhein hinab- und Kölsch die Kehlen hinunterfließen, aber bekanntlich soll man niemals nie sagen.

    Mein besonderer Dank gilt jedoch den Fidelen Burggrafen: Martina, Marion, Tamara, Max, Volker, Madelaine, Carsten, Manuel und allen anderen, deren Name mir gerade nicht mehr gegenwärtig ist, nehmt es mir bitte nicht übel, beim nächsten Mal merke ich sie mir, versprochen! Und Freund C., der schuld daran ist, dass ich euch kennenlernen durfte. Oder um es mit euren Worten auszudrücken:

    Häälisch, häälisch, häälisch,
    un en janz janz hätzlich

    DANKESCHÖN!!!

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  • Bonner gegen Geräusche in der Stadt (BOGEGIS)

    Und wieder hat das Bonner Dezibel-Denunziantentum zugeschlagen. Dieses Mal trifft es die Reggae-Party der Kulturinitiative Rhizom, die am Rosenmontag nach dem Zoch von 15 bis 20 Uhr auf dem Vorplatz des Frankenbades stattfinden sollte, also an einem Tag, der nicht gerade zu den stillen Feiertagen gerechnet werden kann; auch erscheint eine Störung der Nachtruhe aufgrund der moderaten Zeitlage eher unwahrscheinlich. Eine Anwohnerin im Bereich Adolf-/Vorgebirgsstraße hat der Stadt Bonn über ihren Anwalt eine Klage angedroht, falls die Party, die es bereits seit 2008 gibt, genehmigt werden sollte. Von einer Klageandrohung gegen den Rosenmontagszug, der unter ihrem Fenster entlang läuft, sieht sie in diesem Jahr offenbar noch einmal ab.

    Nachdem ihre Rechtsgelehrten die Beschwerde geprüft hatten, knickte die Stadt - wie gewohnt - ein und ließ über ihren Rock- und Pop-Beauftragten verkünden, dass sie die Party in diesem Jahr wegen überhöhter Lärmimmission nicht genehmigen könne. Das wirft Fragen auf. Erstens: Kann man eine Stadt wegen wiederholter Feigheit vor einer Klage verklagen? Zweitens: Was genau macht eigentlich ein Rock- und Pop-Beauftragter?

    Doch geben sich die Veranstalter nicht kampflos geschlagen. Statt zur Party rufen sie nun zu einer Demonstration auf, ebenfalls von 15 bis 20 Uhr vor dem Frankenbad. Diese wurde auch genehmigt, da das Demonstrationsrecht ein höheres Gewicht hat. Nur muss es neben Musik auch Wortbeiträge geben und es darf kein Alkohol ausgeschenkt werde.

    Als bekennender Karnevalsmuffel wollte ich eigentlich auch in diesem Jahr den Rosenmontag und seinen Zug im Rahmen der mir als Altstadtbewohner gegebenen Möglichkeiten ignorieren, auch würde ich mich nicht als ausgesprochenen Reggae-Fan bezeichnen, doch zur Demonstration werde ich wohl gehen. Bier gibts im Kiosk um die Ecke. Vielleicht hat ja jemand Lust, mitzukommen.

    Übrigens: Dass man als Rock- und Pop-Beauftragter durchaus eine steile Karriere vor sich haben kann, belegt der Werdegang von Sigmar Gabriel.

    Auch veröffentlicht bei Bundesstadt.com

  • Vorschlag zur Weltverbesserung: Winterschlaf für alle

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    Die Arbeitswoche um Silvester war schön: Nur wenige Kollegen in den Büros, das Telefon schwieg und der Maileingang mutete an wie eine mehrtägige Netzstörung. Und dank eines noch ausreichend gefüllten Gleitzeitkontos war mittags Feierabend. Ein Zustand, an den ich mich gewöhnen könnte. Um so schwerer fiel es, ab der folgenden Woche, da sie alle wieder da waren, zum gewohnten Acht- (oder mehr) -stundentag zurückzukehren mit dem gewohnten Wahnsinn aus Besprechungen, Mailflut, (Telefon-)Gesprächen und der immer wiederkehrenden Frage am Ende eines jeden Arbeitstages: Was habe ich heute eigentlich gemacht?

    Das Schlimmste aber in diesen Wochen: Ich verlasse kälteschaudernd das Haus bei Dunkelheit, tagsüber schaue ich durch das Bürofenster in graue Wintertrübe, es will nicht richtig hell werden, und zum Feierabend ist es wieder dunkel. Dicke Jacken, Schals und Hosen umhüllen Brust und Bein. Und das noch wochenlang.

    So komme ich nochmals auf meine Vision des menschlichen Winterschlafs zurück: Ende Oktober treffen wir uns zu einem riesigen Gelage, Fünfgänge-Menü mit passenden Weinen. Wenn wir dann richtig vollgefressen sind, legen wir uns ins Bett, wo uns Dauenen sanft umschmiegen; zuvor ziehen wir die Stecker von Telefon und WLAN-Router, regeln die Heizung herunter und stellen den Wecker auf Anfang April oder, wer mag, auf Weihnachten zu einer Zwischenmahlzeit, nach der man sich wieder hinlegt. Wenn uns dann im April der Wecker zart aus dem Schlaf holt, scheint die Sonne auf das Kissen und des Frühlings milder Hauch lockt uns aus Bett und - nach ausgiebigem Frühjahrsschiss - Haus.

    Das wäre schön.

  • BEGEDER ruft auf zum "Rosenmontagspaziergang"

    Kaum wurde der rheinische Karneval zum Weltkulturerbe erklärt, schon macht ausgerechnet die Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin deutlich, dass es sich hierbei um eine ernste Angelegenheit handelt. So teilte sie ihren Bonner Mitarbeitern mit, der Rosenmontag sei ab sofort kein per se arbeitsfreier Tag mehr. Wie nicht anders zu erwarten, folgte dieser Weisung eine Empörungswelle der Betroffenen, auch die anderen Bonner Bundesbehörden schauen bereits mit aschermittwöchlich-sorgenvoller Miene in Richtung Bundesinnenminister, könnten sie doch ebenfalls in den Strudel hauptstädtisch-neidischen Unfrohsinns hineingezogen werden.

    Ein Sprecher der ‚Arbeitsgemeinschaft der Personalräte der obersten Bundesbehörden‘ betonte gegenüber dem General-Anzeiger, beim Feiern lerne sich die Belegschaft auch anders kennen: "Manches geht nachher einfacher." Wir wollen aus Gründen des Anstandes nicht hinterfragen, was genau er damit meint.

    "Diese Entwicklung ist bedenklich und könnte einen Stein ins Rollen bringen. Rosenmontag ist im Rheinland ein Feiertag, wenn auch kein gesetzlicher", so zitiert die Zeitung Festausschusspräsidentin Marlies Stockhorst. Der Untergang des Rheinlandes steht unmittelbar bevor. Wie aus ungewöhnlich gut informierten Kreisen zu erfahren war, haben einige KMK-Mitarbeiter bereits die Initiative BEGEDER ("Beamte gegen Entkarnevalisierung des Rheinlandes") gegründet und für Montag, den 16. Februar, nach Dienstschluss zu einem "Rosenmontagsspaziergang" aufgerufen. Die Polizei rechnet daher für diesen Tag mit erheblichen Verkehrsbehinderungen, auch Wurfgeschosse, Konfettikanonen und Lärmbelästigungen können nicht ausgeschlossen werden. Daher rät sie, die Bereiche Innenstadt und Innere Nordstadt möglichst zu meiden, bis BonnOrange die Straßen geräumt hat; der genaue Weg des Spaziergangs wird noch bekanntgegeben.

    Von der Bildung einer Gegenbewegung ist bislang nichts bekannt. Auch die Mitarbeiter von Post, Telekom und Postbank, ebenfalls ehemalige Behörden, sowie weiterer Bonner Unternehmen begegnen dem amtlichen Aufschrei mit einem Schulterzucken, zumal für sie schon vor Jahren die Arbeitsbefreiung nicht nur an Rosenmontag, sondern auch Heiligabend und Silvester aufgehoben worden ist. Viele von ihnen wollen jedoch am 16. Februar Urlaub nehmen, um sich den BEGEDER-Spaziergang anzuschauen. Mit einer Teilnahme der Initiative "Abendland antwortet auf Feierverbot" (ALAAF), die sich aus der Mitte einiger Ministerien gebildet hat, ist indes aufgrund innerer Zerstrittenheit nicht zu rechnen. Daher ist laut Polizei mit gewalttätigen Ausschreitungen - abgesehen von wenigen alkoholbedingten persönlichen Ausfällen - nicht zu rechnen. Oder wie der Rheinländer sagt: Et hätt noch emmer joot jejange.

    (Auch veröffentlicht in gekürzter, nicht ganz so alberner Version bei bundesstadt.com)

  • Das Ende ist nahe

    Die Welt im Januar 2015. Menschen stehen Schlange, um eine Zeitschrift zu erwerben, deren Sprache sie nicht verstehen, weil sie in der Schule damals lieber Latein statt Französisch gewählt oder das Gelernte längst vergessen haben. Andere fühlen sich durch diese Zeitschrift, die auch sie nicht verstehen, verhöhnt und zünden deswegen Kirchen und Kneipen an. Die übrigen schauen auf RTL einer Gruppe Bekloppter bei zweifelhaften Spielchen im australischen Dschungel zu.

    Als Gott der HERR dies sah, erkannte er, dass die Sache mit der Arche damals wohl seine größte Fehlentscheidung gewesen war. Eine Lösung musste her. Doch welche? Überschwemmungen zeigten nur noch örtlich begrenzte Wirkungen; Pest, AIDS und Ebola scheiterten am medizinischen Fortschritt der Menschheit. Vielleicht ein Atomkrieg? Doch würde dieser Gottes Schöpfung vollständig verheeren, einschließlich allen Gewächses und Gewürmes, welches da sprießt und kreucht, ein jedes nach seiner Art.

    Da fiel dem HERRN das Internet ein, damit müsste sich was machen lassen. Und also bestellte er zwölf IT-Experten ein und sprach: "Sehet, die Menschheit ist wahnsinnig geworden. So gehet hin, sie zu zerstören. Und diesmal keine Überlebenden bitte, das tue ich mir nicht noch einmal an!" So schlossen sich die zwölf Experten in ihre Cloud ein und machten sich nach dem Kick Off Meeting an die Arbeit. Sie erstellten die erforderlichen Dokumente, welche da hießen: Business Case, IT-Budgetantrag, Anforderungsdokumentation, System Requirement Statement, Phase Gate 1 bis 34 nach dem zertifizierten KOMPLEX-Vorgehen, Sicherheitskonzept und Datenschutzanalyse. Ferner mussten noch ein Entwicklungs- und ein Wartungsdienstleister ausgewählt sowie ein kostenpflichtiger User Support Helpdesk* eingerichtet werden.

    Bald aber waren die Experten so sehr mit sich selbst beschäftigt und im Kompetenzgerangel zerstritten, dass das Projekt schließlich aus Budgetgründen eingestellt wurde. Als Gott sah, dass er dem menschlichen Wahnsinn nichts mehr entgegenzusetzen hatte, weinte er bitterlich sieben Tage und sieben Nächte lang. Dann schaltete er den Fernseher ein, kuckte IBES, und er sah: Das Ende war nahe. Da lächelte der HERR.

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    * 54 Cent je Minute aus dem Festnetz der Deutschen Telekom, aus Mobilfunknetzen können höhere Entgelte anfallen.

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